Anämie bedeutet Blutarmut und ist definiert über den verminderten Hämatokrit oder die verminderte Menge an Hämoglobin im Blut.
Untere Grenzwerte:
- Hämoglobingehalt
- Männer < 13 g/dl
- Frauen < 12 g/dl
- Hämatokrit
- Männer < 42 %
- Frauen < 38 %
Inhaltsverzeichnis |
Ursache
Ursache einer Anämie ist das Überwiegen von Abbau bzw. Verlust über die Bildung von Erythrozyten bzw. Hämoglobin. Normalerweise wird täglich soviel an roten Blutkörperchen nachgebildet, dass der normale Verlust durch Alterung und Sequestrierung ausgeglichen wird. Auch ein geringer überschießender Verlust kann in der Regel durch eine Überschusskapazität des Knochenmarks abgefangen werden.
Die Aktivität der Nachbildung erkennt man an der Zahl der Retikulozyten (jungen Erythrozyten mit Resten von Kernmaterial). Die Retikulozytenzahl beträgt bei normaler mittlerer Lebenszeit der Erythrozyten von 100-120 Tagen um 10-12 pro 1000 Erythrozyten.
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Eine Bildungsstörung ist durch zwei Hauptursachen bedingt:
- eine Störung oder Krankheit des Knochenmarks (z.B. beim myelodyplastischen Syndrom (MDS) oder der Leukämie) oder
- ein Mangel an Stoffen, die zur Bildung der roten Blutkörperchen oder des Hämoglobins notwendig sind (z. B. ein Eisenmangel oder ein Mangel an Vitamin B12),
- ein Mangel an Bildungsfaktoren, z. B. Erythropoetin: meist durch eine chronische Nierenkrankheit mit Niereninsuffizienz bedingt, häufig bei Dialysepatienten (mehr dazu siehe unter renale Anämie).
Eine verkürzte Lebenszeit der Erythrozyten fordert eine ständig erhöhte Nachproduktion, was die Kapazität des Knochenmarks erschöpft, so dass es zur Anämie kommt. Ursachen sind
- eine Hämolyse), d.h. ein erhöhter Zerfall der Erythrozyten im Blut mit verkürzter Lebenszeit, und
- ein akuter oder chronischer Blutverlust, gegen den das Knochenmark nicht ankommt. Ein wesentlicher Grund hierbei ist der blutungsbedingte Verlust von Eisen, das zur Nachproduktion des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin gebraucht wird. Mehr dazu siehe unter Blutungsanämie.
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Einteilung nach Häufigkeit
Folgende Formen finden sich in der überwiegenden Mehrzahl:
Hyperchrome makrozytäre Anämie
Ursachen können sein
- ein Vitamin-B12-Mangel: durch ihn entsteht die Perniziöse Anämie (Morbus Biermer); Ursache kann beispielsweise eine autoimmune Typ-A-Gastritis) sein,
- eine toxische Knochenmarkschädigung (beispielsweise durch Alkohol) oder
- eine Tumorkrankheit, z. B. ein Lymphom.
Mehr zur hyperchromen makrozytären Anämie siehe hier.
Hypochrome mikrozytäre Anämie
Ursachen können sein
- ein Blutverlust (gastrointestinale Blutung, gynäkologische Blutung, sonstige Blutverluste, auch zu häufige Aderlässe),
- ein Eisenmangel durch Eisenresorptionsstörung (Eisenmangelanämie beispielsweise bei einer Dünndarmkrankheit wie der Sprue, dem Morbus Whipple oder dem Kurzdarmsyndrom) oder
- eine Eisenverwertungsstörung (beispielsweise bei einer Knochenmarkskrankheit oder einem Tumorleiden).
Mehr zur hypochromen mikrozytären Anämie siehe unter Blutungsanämie, Mikrozytäre Anämie und Eisenmangelanämie.
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Normochrome normozytäre Anämie
Eine Anämie ohne Veränderung der Größe und des Hämoglobingehalts der Erythrozyten kommt kurz nach einer großen Blutung zustande, wenn Flüssigkeit in das Blutgefäßsystem einströmt und das Blut verdünnt oder nach einer Flüssigkeitsinfusion. Eine normochrome normozytäre Anämie kann auch durch eine Kombination einer mikrozytären und hypochromen Eisenmangelanämie und einer makrozytären und hyperchromen perniziösen Anämie als Mischbild entstehen.
Diagnostik
- Anamnese:
- Atemnot?
- Leistungsschwäche?
- Sichtbare Blutung?
- Blut im oder auf dem Stuhl?
- Vegetarische Ernährung? (strenge Vegetarier und Veganer können bei besonderen Stoffwechselbelastungen in einen Vitamin-B12-Mangel und einen Eisenmangel geraten).
- Kälteempfindlichkeit, leichtes Frösteln?
- Klinischer Befund:
- Blässe,
- Tachykardie.
- Diagnosesicherung:
- Hämoglobin erniedrigt (entscheidend, da Sauerstoffträger),
- Hämatokrit erniedrigt,
- Erythrozyten im roten Blutbild erniedrigt.
Weitere Diagnostik je nach verdächtigter Ursache
- Endoskopie
- des Magens (Gastroskopie: Blutungsquelle?
- Probeexzision (PE) aus Dünndarm zum Sprueausschluss und aus dem Fundus des Magens zur Diagnostik der Typ-A-Gastritis speziell bei einer makrozytären Anämie)
- Endoskopie des Dickdarms (Koloskopie: Blutungsquelle? z. B. Kolonkarzinom?
- des Magens (Gastroskopie: Blutungsquelle?
- Hämolyseparameter (Haptoglobin, Retikulozyten, freies Hämoglobin).
- Eisenbelastungstest: Resorption im oberen Dünndarm gestört? Eisenmangel kann die häufige mikrozytäre Anämie erklären; Ursache kann z. B. eine Sprue sein (Dünndarmbiopsie!, Antiendomysium-Antikörper bestimmen!).
- Bestimmung von Vitamin B12, ggf. auch von Folsäure: Ein Vitamin-B12-Mangel sowie ein Folsäuremangel können einer makrozytären Anämie zugrunde liegen (Fundusbiopsie des Magens!).
- Knochenmarkbiopsie bei Verdacht auf Knochenmarkskrankheit: zugrunde liegen kann z. B. ein myelodysplastisches Syndrom (MDS), eine Infiltration von Tumorzellen, ggf. auch eine toxische Knochenmarksschädigung.
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Therapie
Die Therapie einer Anämie erfolgt je nach Ursache.
- Bluttransfusionen bei akuter Anämie: bei chronischer Anämie (z.B. beim MDS) bleibt man i.d.R. zurückhaltend, bei akuter Anämie kommt sie frühzeitiger zum Einsatz. Indikation zur Bluttransfusion unter Berücksichtigung der klinischen Symptomatik. Sie werden vielfach z. B. bei Hämoglobin unterhalb 7 g/dl durchgeführt, bei einer Herzinsuffizienz, Angina pectoris, besonderer Abgeschlagenheit oder Atemnot auch schon bei einem Hb von etwa 8 oder 9 g/dl oder darüber.
- Eisensubstitution bei Eisenmangelanämie (meist hypochrome mikrozytäre Anämie (s.o.)
- Substitution von Vitamin B12 bzw. Folsäure bei nachgewiesenem Mangel (meist Ursache einer makrozytären hyperchromen Anämie, s.o.).
- Behandlung von Sonderformen: z. B.
- beim myelodysplastischen Syndrom (MDS) kommen als Therapie nur Transfusionen in Betracht (geleitet durch das Blutbild und die Symptomatik),
- bei der renalen Anämie (Anämie bei Niereninsuffizienz, häufig bei Dialysepatienten) ist meist Erythropoetin indiziert, ggf. auch Bluttransfusionen,
- bei einer Leukämie (z. B. CML) kommen Bluttransfusionen und ggf. eine Chemotherapie in Betracht,
- bei einem Morbus Osler wird versucht, alle möglichen Gefäßmissbildungen im Magendarmkanal endoskopisch zu verschorfen, ansonsten Bluttransfusionen.







