Inhaltsverzeichnis |
Definition
Plötzlich auftretendes Beschwerdebild mit anhaltender heftiger Angina pectoris. Solange eine instabile Angina pectoris von einem Herzinfarkt nicht unterscheidbar ist, wird dieser Begriff verwendet und das Procedere nach der Möglichkeit eines Herzinfarkts ausgerichtet.
Entwicklung
In der Regel handelt es sich um eine kritische Verengung oder den Verschluss eines Koronararterienastes. In den ersten Minuten kommt es noch zu keiner Erhöhung der Herzmuskelenzyme durch zugrunde gegangenes Muskelgewebe, und im EKG finden sich anfangs noch keine Zeichen eines Herzinfarkts. Beginnt sich die ST-Strecke im EKG zu heben, handelt es sich um einen ST-Hebungsinfarkt (STEMI). Solange sich die ST-Strecke nicht hebt, kann ein Nicht-Hebungsinfarkt (NSTEMI) oder eine instabile Angina pectoris ohne Infarkt vorliegen. Ein NSTEMI wird diagnostiziert, wenn die Herzenzyme (Troponin, CK-MB) (meist erst nach nach 3-4 Stunden) über die zulässigen Grenzwerte ansteigen. Steigen sie nicht an und bleibt das EKG ohne Infarktzeichen (dazu muss 24 Stunden gewartet werden), bleibt die Diagnose "instabile Angina pectoris".
![]() | ![]() |
Diagnostik
- Anamnese: vorbestehende bekannte koronare Herzkrankheit oder Prädisposition zu einer koronaren Herzkrankheit (wie Hypertonie, Hyperlipidämie, Gicht, Diabetes mellitus, Adipositas, familiäre Belastung), plötzliche Herzschmerzen oder Schmerzen, die im Ausstrahlungsbereich des Herzens liegen (linke Schulter, linker Arm, Hals, Kinn, linker Oberbauch, retrosternal).
- EKG: es ist nicht eindeutig in Richtung akuter Herzinfarkt verändert.
- Echokardiographie (Herzecho): es lässt meist eine regionale Kontraktionsstörung im Ischämiebereich erkennen.
- Laborwerte: Troponin ist gering erhöht (anfangs kann es noch normal sein, so dass eine zweite Untersuchung in kurzem Abstand (z. B. nach 3 Stunden) nötig ist). Damit ist eine myokardiale Zellschädigung oder ein geringer Zelluntergang anzunehmen.
- Koronarangiographie (Herzkatheter-Untersuchung): Bei Nachweis eines akuten Koronarsyndroms wird heute in der Regel eine Koronarangiographie als indiziert betrachtet.
Differenzialdiagnosen
Beim akuten Koronarsyndrom kommen eine Reihe von Differenzialdiagnosen in Betracht. Dazu gehören:
- Refluxkrankheit mit akuter Symptomatik (bei retrosternalem Brennen und in den Hals ziehenden Beschwerden)
- akute Magenschmerzen oder Bauchschmerzen anderer Genese (bei entsprechender Schmerzlokalisation)
- funktionelle Herzbeschwerden
- Tako-Tsubo-Kardiomyopathie
- Mastopathie bzw. Mastodynie (bei Frauen)
- Tietze-Syndrom
Therapie
Koronarangiographie zur Diagnostik von Koronarstenosen und gleichzeitiger Möglichkeit zur Dilatation und Stentimplantation. Anschließend Dauerantikoagulation (z. B. Clopidogrel, ASS). Im Einzelnen wird vielfach folgende medikamentöse Erstbehandlung durchgeführt:
- Nitro-Spray auf die Zunge
- Sauerstoff (Nasensonde)
- ein Opiat (z. B.Morphin) i. v.
- Beta-Blocker (nach Herzfrequenz und Blutdruck) i. v.
- 500 mg Acetylsalizylsäure i. v.
- 600 mg Clopidigrel p. o.
- 5000 IE Heparin i. v.
Das Schema ist an die aktuelle Situation anzupassen. Die Dosisangaben dürfen nicht ungeprüft übernommen werden.
![]() | ![]() |
Verweise
Fachinfos
- Angina pectoris
- Instabile Angina pectoris
- Koronare Herzkrankheit
- Herzinfarkt
- Thrombozytenaggregationshemmer





