Kontrastmittelsonographie von Leberherden

Die Kontrastmittelsonographie von Leberherden (KM-Sonographie der Leber) ist eine hocheffektive und rasch durchzuführende Methode zur Erkennung und Klärung von Leberherden.


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Methode


Die für die Untersuchung verwendeten Kontrastmittel (KM) erhöhen die Reflexdichte in den Blutgefäßen durch gasgefüllte Mikrobläschen (“microbubbles”). Diese werden direkt vor der KM-Injektion zubereitet und gelangen nach Injektion in eine Armvene mit dem Blut in die Leber.

Leberherde heben sich durch das anflutende Kontrastmittel je nach ihrer Durchblutung von dem umgebenden Gewebe ab, schlecht durchblutete (malignomverdächtige) Herde negativ. Leberherde, die überwiegend arteriell durchblutet werden (wie das HCC), erscheinen früher kontrastangehoben als das übrige Lebergewebe, das unter normalen Bedingungen zu über 2/3 der Blutversorgung über die Pfortader erhält.

Ein auffälliger Leberherd, der abgeklärt werden soll, wird mit dem Schallkopf eingestellt. Nach Injektion des Kontrastmittels (KM, z.B. SonoVue) in eine Armvene wird seine Anflutung und Verteilung über die unterschiedliche Kontrastanhebung im eingestellten Areal beobachtet und in einer Videosequenz aufgezeichnet. Die Videobilder werden ausgewertet. Die Bilder lassen Aussagen zur genauen Kontur der Leberherde und der Stärke ihrer Durchblutung zu.

In Ergänzung der Kontrastmittelsonographie von Leberherden kann die Duplexsonographie zusätzliche Informationen zur Durchblutung einiger Raumforderungen beitragen, so beispielsweise die Radspeichenstruktur einer FNH erkennen lassen (siehe hier).

Typische Befunde


Nach Anflutung des intravenös injizierten Kontrastmittels (KM) hebt sich eine Raumforderung im rechten Leberlappen vom gut durchbluteten übrigen Lebergewebe ab. Jetzt erst lässt sich seine tatsächliche Kontur genau bestimmen und feststellen, dass seine Durchblutung nur gering ist. Es finden sich zudem kleinere Satellitenherde.

Besondere Durchblutungsmuster, die diagnoseweisend sein können, sind bei folgenden Raumforderungen zu finden:

  • hepatozelluläres Karzinom : bei ihm findet sich meist eine starke Kontrastierung schon in der arteriellen (noch vor der portalvenösen) Phase, während das umgebende Leberparenchym erst in der darauf folgenden portalvenösen Phase die höschte Reflexdichte erreicht,
  • fokale noduläre Hyperplasie : typisch ist eine Radspeichenstruktur, bedingt durch ein zentrales arterielles Blutgefäß mit sternförmig abgehenden Ästen,
  • Leberhämangiom : typisch ist ein Irisblendenphänom, bei dem die Kontrastanhebung von außen nach innen zunimmt,
  • Zystische Prozesse, die gelegentlich (z. B. bei Einblutungen) wie solide Prozesse auch Echoreflexe im Inneren aufweisen können, zeigen keine Kontrastanhebung.
  • Metastasen zeigen bei meist schlechter Blutgefäßversorgung eine nur geringe Signalanhebung und heben sich vom „hellen“ (unter SonoVue-Anflutung reflexdichten) Lebergewebe daher oft „dunkel“ ab.

Diagnostischer Wert

Fokale Leberherde sind verhältnismäßig häufig. Sie werden in etwa 6% bei computertomographischen Untersuchungen zufällig entdeckt 1)Acta Radiol. 2001 Mar; 42(2):172-5.

Die Genauigkeit, mit der Leberherde durch Kontrastmittelsonographie geklärt werden können, liegt unter der anderer bildgebender Verfahren, wie der Computertomographie, übersteigt aber die der konventionellen Sonographie deutlich 2)Ultrasound Int Open. 2016 Nov;2(4):E129-E135. doi: 10.1055/s-0042-120272..

Mit Hilfe der Kontrastmittelsonographie lassen sich laut Studiengut- und bösartige Raumforderungen der Leber mit einer Sensitivität von 85-90% und einer Spezifität von 86-90% unterscheiden 3)Ultrasound Int Open. 2016 Nov;2(4):E129-E135. doi: 10.1055/s-0042-120272..

In einer Studie lag die Sensitivität für bösartige Raumforderungen vor KM-Injektion bei etwa 65-80%, nach KM-Gabe bei 95-100% im Vergleich mit den Goldstandards (intraoperativer Ultraschall, MRI oder CT) 4)Eur J Radiol. 2012 Mar;81(3):e317-24. doi: 10.1016/j.ejrad.2011.10.015.

Der Wert der Kontrastmittelsonographie zur Klärung von Leberherden, die mit Hilfe der Computertomographie nicht ausreichend diagnostizierbar waren, wurde in einer Studie als hoch angesehen. Bei 78 Patienten mit 163 im CT nicht bestimmbaren Leberläsionen mit einer mittleren Größe von 1,1 cm konnte durch die KM-Sonographie Gut- und Bösartigkeit mit einer Sensitivität von 94,4 und einer Spezifität von 99,3% unterschieden werden 5)Ultrasound Int Open. 2016 Nov;2(4):E129-E135. doi: 10.1055/s-0042-120272..

Das bedeutet, dass trotz der insgesamt höheren diagnostischen Wertigkeit der Computertomographie die KM-Sonographie einen hohen Stellenwert für die Diagnostik von Leberherden besitzt. Zusammen mit der Duplexsonographie können damit bereits in spezialisierten gastroenterologischen Praxen Raumforderungen in der Leber sehr weitgehend diagnostisch eingeordnet werden.

Verweise

Literatur   [ + ]

1. Acta Radiol. 2001 Mar; 42(2):172-5
2, 3, 5. Ultrasound Int Open. 2016 Nov;2(4):E129-E135. doi: 10.1055/s-0042-120272.
4. Eur J Radiol. 2012 Mar;81(3):e317-24. doi: 10.1016/j.ejrad.2011.10.015