Hilfsprojekt in einem Flüchtlingslager in Jordanien

Hilfsprojekt in Jordanien: Reise nach Ar-Ramtha / Zataari

Bericht über einen humanitären Einsatz in einem Flüchtlingslager in Jordanien von Birgit Schönharting

(Zurück zur Einleitung: Flüchtlingslager in Jordanien – eine Aufgabe)

Anreise: Drei Tage sind noch nicht einmal vorbei. Aber ich habe bereits in meinem Kopf gefühlte 300 Eindrücke … Ich versuche mal ein bisschen von den ersten Eindrücken in Jordanien loszuwerden.

Flüchtlingslager im Libanon
Ziel: das UNHCR-Flüchtlingslager Zaatari

Flug ohne Probleme über Paris, superschöne Alpenwelt (von oben alles so friedlich!) dann übers Mittelmeer (wirklich alles so friedlich?? Wie beklemmend, wenn das unglaubliche Blau da unten beim Überfliegen wohl gleichzeitig gerade auch für manche in irgendwelchen Booten den Tod oder zumindest Angst davor bedeutet). Anflug über Lichtermeer nachts am modernen Flughafen Amman, Formalitäten ohne Probleme. Schönes Gefühl, wenn man das Zeichen der Ärzte-Hilfsorganisation erspäht, so ganz allein in der Fremde. Ein Fahrer hat mich abgeholt.

Spätestens ab jetzt beginnt Aufnahme des fremden Neuen: Klima (angenehm!), Gerüche, Geräusche, Häuserwelt, Menschen (zurückhaltend- freundlich), Fahrweise auf dem Zubringer nach Amman – und erste Gespräche inklusive arabischer Wörter (bisher waren alle Driver unglaublich redselig).

Jordanien nennt man übrigens wohl inzwischen die Schweiz des Mittleren Ostens – und das spiegelt die Hauptstadt auch wieder: Die Metropole mit mehreren Millionen Einwohnern zeigt viele neue Gebäude, viel Glanz, viele Banken, Geschäfte, viel Verkehr.

Ankunft im Guesthouse der Organisation ohne Probleme, ein Security-Check-Up oder spezielles An-/Abmelden ist hier nicht nötig, es gibt auch keine Ausgangssperre. Absolut friedlich.

Zufällig kam noch eine zweite Deutsche (Anästhesistin) in der gleichen Nacht an, insgesamt sind momentan einige aus unserem Lande im Projekt, aber gestern Morgen im Office der Organisation  begann wieder die unheimlich vielfältige Internationalität. Neben den (zahlenmäßig immer überlegenen) nationalen Mitarbeitern (die, um zur Verwirrung beizutragen, gerne oft Ahmed, Mohammed oder bei den Frauen Rula und ähnlich heißen), hab ich seit vorgestern knapp 20 internationale „Expats“ (Expatriats – so der Begriff für die internationalen Mitarbeiter) aus mehr als 15 Ländern kennen gelernt. Außer, dass es einfach viel zu viele sind, ist das irgendwie richtig klasse…

In der Hauptstadt gab es also von unserer Ärzteorganisation das große „Briefing“ – Informationen zur politischen und humanitären Lage, zu den Sicherheitsbestimmungen, dem Projekt selber, zu den Finanzen, zur Gesundheit, zu technischen Details, zur Kultur, zur Logistik. Gehirn-Bombardement pur, aber natürlich notwendig.

Damit ich ja nicht unflexibel werde, wurde dann auch noch der ursprüngliche Plan kurz umgeschmissen und es ging doch direkt für mich und die Ärztin noch im Sonnenuntergang und dann Mondschein zum Projekt nach Ar-Ramtha im Norden des Landes. Vorbeiziehende meist trockene, waldarme und hügelige Landschaften, viel Besiedelung, immer wieder große Moscheen. Viel Polizeipräsenz an der Straße, jedoch nicht etwa wegen Kriminalität oder den benachbarten Kriegsschauplätzen, sondern wirklich wegen Verkehrskontrollen – es gibt wegen überhöhter Geschwindigkeit auf für uns wohl recht ungeregelt anmutenden 2- bis 4-spurigen Straßen wohl sehr viele Unfälle.