Hypertonie

Hypertonie bedeutet zu hoher Blutdruck (Bluthochdruck).

Nach WHO gelten folgende Definitionen :

  • Normotonie < 140/90 mm Hg,
  • Grenzwerthypertonie 140/90 – 160/95 mm Hg,
  • Hypertonie >160/95 mm Hg.

Die obere Grenze ist altersabhängig; z.B. wird 160 mm Hg bei über 50jährigen Menschen noch als normal angesehen (nach: Deutsche Liga zur Bekämpfung des Blutdrucks).

Klassifikation der Hypertonie


Die Leitlinien der Hochdruckliga [1] vom 1.6.2008 [2] klassifiziert die Blutdruckwerte folgendermaßen (in mm Hg, erster Wert systolisch, zweiter Wert diastolisch):

  • Optimal < 120, < 80
  • Normal 120-129, 80-84
  • Hoch Normal 130-139, 85-89
  • Grad 1 Hypertonie (leicht) 140-159, 90-99
  • Grad 2 Hypertonie (mittelschwer) 160-179, 100-109
  • Grad 3 Hypertonie (schwer) ? 180, ? 110
  • Isolierte systolische Hypertonie ? 140, <90

Bei Zugehörigkeit zu zwei Gruppen, soll die höhere Eingruppierung gelten. Die Messwerte 150/100 mm Hg bedeuten damit eine Einstufung in die Hypertonie-Kategorie Grad 2.

Ätiopathogenese


Die Auslösung einer Hypertonie kann sehr unterschiedlich sein. Vielfach lässt sich keine Ursache finden.

Häufiger Stress mit erhöhtem Sympathikotonus fördert die Ausbildung einer Hypertonie. Zuerst führt meist eine kardiale Überaktivität mit erhöhtem Herzzeitvolumen (HZV), später dominiert ein erhöhter peripherer Gefäßwiderstand.

Diabetische Gefäßveränderungen (diabetische Angiopathie): Beim Diabetes mellitus kann eine Mikroangiopathie als Spätsyndrom auftreten. Sie bedingt einen erhöhten peripheren Gefäßwiderstand und verursacht damit eine Blutdruckerhöhung. Die Mikroangiopathie als Ursache einer Hypertonie ist durch Spiegelung des Augenhintergrunds direkt zu erkennen.

Sympathikotonus: Die renale Nervenversorgung mit Fasern des Sympathikus scheint an der Entwicklung und Aufrechterhaltung des renalen Hypertonus eine entscheidende Rolle zu spielen; ein zu hoher Sympathikotonus führt zum Blutdruckanstieg und unterhält ihn [3]. Entsprechend ist die Methode der renalen Denervierung (s. u.) bei der Behandlung der therapierefraktären Hypertonie Erfolg versprechend.

Kochsalz: Die Höhe der Kochsalzzufuhr ist assoziiert mit der Höhe des Blutdrucks. Eine Kochsalzreduktion in der Nahrung trägt zur Senkung des Blutdrucks wesentlich bei (siehe hier).

Klinisches Bild

Symptomatik

Oft besteht keine Symptomatik!

Gelegentlich sind folgende Symptome Begleiterscheinungen einer Hypertonie: Kopfschmerzen, Nasenbluten, Schwindel, Tinnitus, Angina pectoris, Herzklopfen, Palpitationen, innere Unruhe, Flimmern vor den Augen. Sie können als Erstmanifestation zur Diagnose führen. Solche Symptome  können Warnsymptome sein und eine hypertone Krise anzeigen.

Eine ungeklärte Hypertonie bei Adipositas sollte an eine gestörte Glukosetoleranz, ein metabolisches Syndrom, bzw. einen manifesten Diabetes mellitus denken lassen.

Komplikationen und Spätfolgen

Jede lang anhaltende und schlecht medikamentös eingestellte Hypertonie kann zu erheblichen Folgeschäden und Komplikationen führen. Dazu gehören in erster Linie Schäden am Blutgefäßsystem, am Herzen, am Gehirn und an den Nieren. Alle anderen Gefäßsysteme (an den Beinen, im Auge …) können betroffen sein. Eine Kombination von Hypertonie und Nikotinabusus ist besonders komplikationsträchtig.

Auf folgende Komplikationen ist besonders zu achten:

Diagnostik

Untersuchung der Ausprägung

Blutdruck-Tagesprofil, Tageskurve unter häuslichen Belastungsbedingungen, Langzeit-Blutdruck-Messung, Belastungs-EKG (z. B. Fahrradergometrie: Belastungshypertonie?)

Untersuchung der Ursache

Sonographie der Nieren (Verkleinerung, Verschmälerung des Parenchyms, Durchblutung, Nebennieren), Schilddrüsensonographie, Laborwerte (Schilddrüsenwerte (TSH, fT3), Nierenwerte, Kreatinin-Clearance, ggf. Hydroxyindolessigsäure und Vanillinmandelsäure im Urin bzw. Katecholamine im Serum), ggf. Lokalisationsdiagnostik endokrin aktiver Tumoren (Phäochromozytom, Karzinoid)

Untersuchung der Folgen

Zu den regelmäßigen Kontrollen gehören: