Autismus-Spektrum-Störungen

Autismus-Spektrum-Störungen (engl.: Autism spectrum disorders, ASDs, früher: pervasive developmental disorders (PDD)) sind eine Gruppe von Behinderungen, die durch Störungen des Empfindens und Verhaltens gekennzeichnet sind, in aller Regel in früher Kindheit manifest werden, und durch eine abnorme Entwicklung der Vernetzung von Nervenzellen des Gehirns zustande kommen.

Der Begriff des Autismus (Kanner 1943 [1]) deckt die vielfältigen Erscheinungsformen nicht genügend ab; daher wurde vorgeschlagen, nicht von „autism“ (engl.) sondern von „autisms“ zu sprechen [2]. Heute werden sie unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störungen (ASDs) zusammengefasst [3], der den engeren Autismus, das Asperger-Syndrom, desintegrative kindliche Entwicklungsstörungen und kindliche Entwicklungsstörungen, die sich nicht unter den engen Begriff des Autismus einordnen lassen (in den USA unter PDD-NOS als „subthreshold autism“ eingeordnet) überdeckt.

Die Autismus-Spektrum-Störungen sind alle gekennzeichnet durch

  • eine Beeinträchtigung sozialer Kommunikation,
  • eingeschränkte und wiederkehrende (repetitive) Interessen und Verhaltensweisen [4].

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Häufigkeit


Nach Untersuchungen des „Netzwerks für Autismus und Entwicklungsstörungen der Centers for Disease Control and Prevention“ der USA 2008, veröffentlicht 2012 (Autism and Developmental Disabilities Monitoring (ADDM)) [5], lag die Prävalenz bei 11,3 auf 1000 Kinder im Alter von 8 Jahren, wobei Jungen etwa 5 mal häufiger betroffen sind als Mädchen (1 von 54 Jungen vs. 1 von 252 Mädchen). Verglichen mit Daten von 2006 lag die Häufigkeit der ASD-Diagnosen 2008 um 23% höher, verglichen mit Daten von 2002 sogar um 78%! Es wird allerdings darauf aufmerksam gemacht, dass die Daten der an der Erhebung beteiligten Zentren nicht auf die gesamten USA hochgerechnet werden können. Es wird angenommen, dass zu dem erheblichen Anstieg der Zahl erfasster Autismus-Fälle eine bessere Achtsamkeit bezüglich der Diagnose sowie eine in den letzten Jahren erfolgte Ausweitung der Definition, die zur Einbeziehung leichterer Fälle geführt hat, beigetragen haben könnte.

Ursache und Entwicklung


Die Pathogenese des Autismus in seinen verschiedenen Formen ist nicht vollständig geklärt. Ursache ist in jedem Fall eine Entwicklungsstörung des Gehirns (neurodevelopmental disorder), die sich bereits im Kleinkindesalter manifestiert. Die Auswirkungen auf das Verhalten können außerordentlich vielfältig sein, so dass die Diagnose oft schwer erkennbar oder von Differenzialdiagnosen abgrenzbar ist.

Autismus entsteht bei einer endogenen genetischen Disposition durch exogene Auslöser. Dabei spielen oxidativer Stress und eine mitochondriale Dysfunktion der sich entwickelnden Gehirnzellen sowie eine immunologische Fehlregulation eine bedeutende Rolle [6]. Einzelne Aspekte werden im Folgenden ausführlicher betrachtet.