Renin-Angiotensin-Aldosteron-System

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) ist ein funktionell kaskadenartig zusammenwirkendes Enzym-Hormon-System mit zentraler Bedeutung für die Blutdruckregulation. Ist die Nierendurchblutung gemindert, wird das Renin-Angiotension-Aldosteron-System aktiviert und führt zu einer systemischen Erhöhung des Blutdrucks.

Renin

Die Endopeptidase Renin wird in der Niere gebildet. Es stammt aus dem juxtaglomerulären Apparat (epitheloidartige Zellen der Macula densa) am Vas afferens der Glomerula. Wenn Rezeptoren dort einen Natriummangel melden, wird Renin ins Blut abgegeben. Renin bewirkt eine enzymatische Umwandlung von Angiotensinogen in Angiotensin I. (Mehr dazu siehe hier.)

Angiotensinogen


Angiotensinogen ist ein in der Leber gebildetes Protein (485 Aminosäuren, 50 kD), welches im Blut zirkuliert, und von dem durch Renin Angiotensin I abgespalten wird.

Angiotensin I


Angiotensin I ist ein Oligopeptid (10 Aminosäuren), das von Angiotensinogen durch Renin enzymatisch abgespalten wird. Es ist selbst wieder Ausgangsprodukt für die Bildung von Angiotensinogen II.

Angiotensin II

Angiotensin II ist ein Oktapeptid, das unter der Wirkung von Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE) durch Abspaltung von 2 Aminosäuren aus Angiotensin I entsteht. Angiotensin II ist selbst in dreierlei Weise wirksam: 1. es triggert eine vermehrte Bildung von Aldosteron in den Nebennieren, 2. es ist ein starker Vasokonstriktor (über die Angiotensin-Rezeptoren), 3. in subthalamischen Kernen des Gehirns (Nucleus supraopticus und paraventricularis) wird durch seine Wirkung Vasopressin (= Adiuretin, ADH) gebildet, das ebenfalls vasokonstriktiv und zudem antidiuretisch wirkt. Eine chronische AT1-Rezeptor-Stimulation durch Angiotensin II führt am Herzen zu mitogenen Effekten und einer Herzmuskelhypertrophie. (Siehe auch unter ACE-Hemmer und AT1-Blocker)

Aldosteron

Aldosteron ist ein Mineralokortikoid-Hormon der Nebenniere (Zona glomerulosa). Es fördert die Natrium-Reabsorption und Kalium-Ausscheidung in den Nieren (distaler Tubulus). Es untersteht einer sehr differenzierten Regulation. Beim Conn-Syndrom wird es dagegen autonom zuviel, bei der peripheren Nebenniereninsuffizienz, dem Morbus Addison, zu wenig gebildet.

Zusammenspiel der Faktoren

Renin bewirkt im Blut eine enzymatische Abspaltung von Angiotensin aus Angiotensinogen. Angiotensin wird durch das Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE) in Angiotensin II umgewandelt, das wiederum die Aldosteron-Produktion in den Nebennieren stimuliert. Aldosteron bewirkt in den Nieren eine Reabsorption von Natrium und seinem Lösungswasser ins Blut. ACE hat zudem eine inaktivierende Eigenschaft für vasodilatierende und damit blutdrucksenkende Prinzipien. Über Angiotensin II wird gleichzeitig in der Hypophyse die Bildung von Adiuretin stimuliert, das über eine Wasserretention in den Nieren das Blutvolumen und damit der Blutdruck erhöht. Adiuretin ist gleichzeitig als Vasopressin vasokonstriktiv wirksam und wirkt auch auf diesem Wege blutdrucksteigernd.

Zweck des RAAS

Das RAAS sichert den Blutdruck gegen Blutdruckabfall. Bei Hypovolämie (z. B. durch Flüssigkeitsverlust oder mangelnde Flüssigkeitszufuhr), Natriummangel oder verminderter Nierendurchblutung wird das RAAS durch Renin-Ausschüttung gestartet. Seine Mechanismen zur Volumenexpansion (über Aldosteron und Adiuretin) und zur Erhöhung des peripheren Gefäßwiderstands (über Angiotensin II und Vasopressin) und zur Hemmung gefäßerweiternder Prinzipien (wie Bradykinin) sind in der Evolution dazu entwickelt worden, den Blutudruck sehr differenziert zu regulieren.

RAAS bei Leberzirrhose

Bei einer Leberzirrhose mit portaler Hypertonie kommt ein Pooling von Blut im splanchnischen Gefäßsystem zustande, das im großen, zentral wirksamen Kreislauf fehlt. Wenn Aszites abgepresst wird, kommt es zu weiterem Entzug von Flüssigkeit. Damit ist der Körper schließlich überwässert und dem zentral wirksamen Kreislauf fehlt dennoch Volumen. Dies führt über das RAAS zu einer regulativen Anstrengung, den Blutdruck durch Volumensteigerung und Erhöhung des peripheren Gefäßwiderstands zu steigern. Folge ist jedoch ein weiteres Pooling im Pfortadersystem, vermehrter Aszites, aber keine blutdrucksteigernde Wirkung. Die gefäßkonstringierenden Mechanismen tragen schließlich zur Entwicklung eines hepatorenalen Syndroms (HRS) bei. Zur Prophylaxe solcher Komplikationen werden Aldosteron-Antagonisten, Diuretika und Aquaretika eingesetzt.

RAAS bei Herzinsuffizienz

Bei einem Forward-Failure im Rahmen einer Linksherzinsuffizienz kommt es zu Blutdruckabfall und in seiner Folge zum Anspringen des RAAS als Gegenregulationsmaßnahme. Es wird Flüssigkeit retiniert, was aber nicht zur Blutdrucksteigerung führt, da das Herz dafür nicht kräftig genug ist, ablesbar oft an einer therapieresistenten Hypotonie. Es kommt vielmehr zur Flüssigkeitsstauung in den Lungen (bis hin zum Lungenödem) und zur konsekutiven Rechtsherzinsuffizienz mit Ödembildung.

Das RAAS ist für den Fall eines suffizienten Herzens sinnvoll, es kann dagegen bei insuffizientem Herzen zu erheblichen Komplikationen führen. Um sie zu behandeln, stehen verschiedene Medikamentengruppen zur Verfügung. Zu ihnen gehören: ACE-Hemmer, AT1-Blocker, Aldosteron-Antagonisten, Diuretika, Beta-Blocker.

RAAS-beeinflussende Medikamente

Eine RAAS-Beeinflussung kann durch folgende Substanzgruppen erfolgen: ACE-Hemmer, AT1-Blocker, Aldosteron-Antagonisten wie Spironolacton oder Eplerenon und Reninhemmer (wie Aliskiren)

Medikamente sind z. B.:

Verweise