Refluxkrankheit

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD, gastroesophageal reflux disease) ist eine Erkrankung, die durch Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre zustande kommt.

Was man wissen sollte


Kurzgefasst
Die Refluxkrankheit

ist durch Rückfluss von saurem und ggf. auch galligem Magensaft bedingt und durch eine Entzündung in der Speiseröhre (Refluxösophagitis), Sodbrennen und gehäuftes saures Aufstoßen charakterisiert. Unbehandelt erhöht sie das Risiko für Speiseröhrenkrebs.

Beschwerden einer Refluxkrankheit können Herzbeschwerden ähneln. Daher ist bei älteren Menschen, die Beschwerden hinter dem Brustbein haben, auch an eine Refluxkrankheit zu denken. Häufiger Reflux kann eine chronische Bronchitis und auch chronische Nasennebenhöhlenentzündungen unterhalten.

Die Diagnostik beinhaltet eine Magenspiegelung, bei der die Speiseröhre und die Dichtigkeit des Mageneingangs mitbeurteilt werden. Auch eine Langzeit-pH-Metrie (Säuremessung über 24 Stunden) in der Speiseröhre kann indiziert sein.

Die Behandlung beinhaltet diätetische Maßnahmen, eine Schräglagerung beim Schlafen, eine Überprüfung der Medikation auf Reflux-fördernde Medikamente, eine medikamentöse Säurehemmung und eine Förderung der Entleerung des Magens durch Prokinetika. Bei ausgeprägter Undichtigkeit am Mageneingang (Hiatusinsuffizienz) kommt ggf. auch eine Operation in Betracht (s. u.).

Patienteninfos zur Refluxkrankheit siehe hier.


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Klassifikationen


Klinisch und endoskopisch werden folgende Klassifikationen verwendet
Klinische Montreal-Klassifikation

Eine gastroösophageale Refluxkrankheit (gastroesophageal reflux disease, GERD) liegt dann vor, wenn Reflux von Magensaft zu subjektiven Symptomen und/oder zu Komplikationen führt (Montreal-Klassifikation [1]).

Endoskopische Klassifikation der Refluxösophagitis

Die Refluxösophagitis wurde bisher nach der Savary-Miller-Klassifikation eingeteilt. Jetzt sollte laut Leitlinie 2014 [2] die etwas differenziertere Los-Angeles-Klassifikation bevorzugt werden.

Schweregrad Savary-Miller Los-Angeles
Einzelne Läsionen < 5mm I A
Einzelne Läsionen > 5mm I B
Konfluierende Läsionen bis 75% der Gesamtzirkumferenz II C
Konfluierende Läsionen ab 75% der Gesamtzirkumferenz III D

 

Definition

Hochgradige Refluxösophagitis mit floriden längs verlaufenden Geschwüren (Ulcera und Erosionen). Der Patient verspürte heftiges Brennen hinter dem Brustbein.

Reflux bedeutet Rückfluss; Refluxkrankheit bedeutet speziell übermäßig gehäufter und / oder verlängerter Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre (Ösophagus); genauer wird von gastroösophagealer Refluxkrankheit gesprochen. Sie kann mit oder ohne einer Entzündung der unteren Speiseröhre einhergehen (NERD bzw. ERD).

Pathogenese

Die Entstehung einer gastroösophagealen Refluxkrankheit beruht auf dem Zusammenwirken von drei Faktoren:

  • die Refluxbarriere ist „inkompetent“ (Hiatusinsuffizienz),
  • die Selbstreinigung des Ösophagus ist inkompetent (gestörte Motilität),
  • das Refluat ist aggressiv (sauer, gallig).

Bereits unter physiologischen Bedingungen kommt es immer wieder zu einem („normalen“) Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre. Das Regurgitat wird jedoch durch einen suffizienten Selbstreinigungsmechanismus rasch in den Magen zurück befördert. In der Regel führen erst gehäufte und verlängerte Regurgitationen zu Symptomen. Dabei können subjektive Beschwerden auch schon ohne makroskopische Zeichen einer Refluxösophagitis auftreten. Die dazu anzunehmende erhöhte Empfindlichkeit auf Säure kann durch eine Säure- und anschließende Alkalibesprühung der Schleimhaut während einer Endoskopie geprüft und erkannt werden. Der wichtigste Faktor für eine vermehrte Regurgitation ist eine Dyskinesie des unteren Ösophagussphinkters.

Eine Refluxösophagitis ist kein Faktor, der die Dysmotilität des Sphincters steigert; dafür müssen andere Faktorn verantwortlich sein [3]. Eine Hiatushernie kann solch eine Insuffizienz fördern. Von besonderer Bedeutung scheint nicht nur eine erhöhte Nüchternsekretion von Säure und eine flache Körperlage zu sein, sondern auch eine Säureüberschichtung des Mageninhalts nach Mahlzeiten, die bis 1,8 cm in den unteren Ösophagus hoch reicht [4].

Folgende Faktoren fördern einen gastroösophagealen Reflux:

  • eine Insuffizienz des unteren Ösophagussphinkters (innerer Sphinkterdruck),
  • eine Aufhebung des His´schen Winkels,
  • eine mangelhafte Beweglichkeit des Zwerchfells (Zwerchfellrelaxation, -parese),
  • Überdruck im Abdominalraum (Schwangerschaft, massiver Aszites),
  • Medikamente (wie z.B. Anticholinergika),

Saurer Magensaft wird zwar von der Magenschleimhaut gut vertragen, nicht dagegen von der Ösophagusschleimhaut. Es bilden sich entzündliche Veränderungen bis hin zu Ulzerationen. Sie beginnen am cardioösophagealen Schleimhautübergang und reichen mehr oder weniger weit in den Ösophagus hoch. Unter Therapie heilen sie aus, können jedoch Narben hinterlassen, die zu Bewegungsstörungen des Ösophagus und damit zu Schluckstörungen führen.

Galliger Reflux verstärkt die Symptomatik und bewirkt gelegentlich eine Therapieresistenz gegenüber Protonenpumpenblockern.