Porphyrie

Die Porphyrie ist eine Gruppe von Störungen der Häm-Biosynthese, die unter der Wirkung auslösender Faktoren zu lebensbedrohlichen Stoffwechselkrisen führen können.

Was man wissen sollte


Kurzgefasst
Die Porphyrie ist eine Erkrankung des Häm-Stoffwechsels.

Entstehung: Das Häm ist eine in verschiedenen biologischen Molekülen, wie Hämoglobin und Cytochromen, vorkommende chemische Gruppe, die Sauerstoff zu binden vermag. Je nachdem, an welcher Stelle die Bildung des Häm gestört ist, kommt es zu unterschiedlichen klinischen Auswirkungen.

Formen: Die Porphyrien werden in erythropoetische und hepatische Formen unterschieden (siehe hier). Die häufigste Form ist die Porphyria cutanea tarda (PCT).

Symptome: Zu den schwerwiegendsten Symptomen einer Porphyrie gehören

  • Bauchkrämpfe,
  • blasenartige Hautläsionen mit Narbenbildungen vor allem an lichtexponierten Stellen,
  • ein Leberschaden, der in eine Narbenleber (Leberzirrhose) münden kann, sowie
  • eine Störung der Gehirnfunktion (Enzephalopathie) mit verschiedenartigen psychiatrischen und neurologischen Symptomen.

Auslösung: Die Symptomatik kann durch besondere Lebensumstände, Alkohol und eine Reihe von Medikamenten (!) ausgelöst werden (siehe hier). Porphyriekrisen sind lebensbedrohlich.

Diagnostik: Die Diagnostik beinhaltet einen Nachweis von Gesamtporphyrinen und der Delta-Aminolävolinsäure im Urin. Eine genaue Differenzierung der im Urin nachweisbaren Stoffwechselprodukte führt zu dem vorliegenden Porphyrietyp. Eine genetische Testung vermag eine Veranlagung nachzuweisen, was für die Vorbeugung einer Porphyriekrise bedeutsam ist. Dazu siehe hier.

Behandlung: Krisenhafte Verschlimmerungen sind als Notfall in einer Klinik zu behandeln. Die Behandlung stützt sich auf Kohlenhydratinfusionen bei milden Attacken und Hämatin bei schweren Attacken. Die Auslöser sind zu vermeiden. Dazu siehe hier.


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Ursachen und Entwicklung


Die Porphyrien entstehen durch eine Ansammlung von Stoffwechselprodukten der Porphyrine im Körper. Die meisten Formen sind genetisch bedingt.

Porphyrine sind Vorstufen in der Häm-Biosynthese. Häm bildet den Eisen-bindenden Bestandteil des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin); es wird auch für die Bildung von Cytochromen benötigt (Cytochrom-P450-System), die beispielsweise bei Entgiftungsprozessen in der Leber eine entscheidende Rolle spielen.

Bedeutung der Delta-Aminolävolinsäure

Ausgangspunkt der Hämbiosynthese ist die Delta-Aminolävolinsäure (5-ALA, d-ALA), die durch die Wirkung der Delta-Aminolävolinsäure-Synthase entsteht. Die Wirkung dieses Enzyms wird durch seine Stoffwechselprodukte inklusive dem Häm durch negative Rückkopplung gehemmt. Dies kann bei der Behandlung der Porphyrie therapeutisch ausgenutzt werden (Hämarginat-Infusionen, s.u.) [1].

5-ALA wird bei vielen Formen der Porphyrie akkumuliert und gilt daher als wichtiger Indikator für die Erkrankung. Sie gilt heute auch als Ursache der Schmerzen bei den akuten hepatischen Porphyrien [2]. Ihre Konzentration im Blut sowie ihre Ausscheidung mit dem Urin ist erhöht bei

  • der akuten intermittierenden Porphyrie (AIP),
  • der hereditären Tyrosinämie und
  • der Bleivergiftung.

5-ALA bewirkt multiple Zellschädigungen durch oxidativen Stress mit Schädigung von Eiweißkörpern, Zellstrukturen und DNA. Sie kann apoptotische Zellschädigungen auslösen und ist karzinogen.

Emzymdefekte bei verschiedenen Porphyrie-Formen

Die verschiedenen Porphyrieformen unterscheiden sich durch den Schritt im Stoffwechsel auf dem Weg von der Delta-Aminolävolinsäure zum Häm, an dem die Synthese gestört ist.

Die Ursache der abdominellen Schmerzen bei der akuten intermittierenden Porphyrie ist möglicherweise eine viscerale Ischämie[4].

Die Ursache neuropathischer Dysfunktionen scheint eine toxische Wirkung der 5-ALA auf den GABA-Rezeptor und eine Häm-Depletion der Nervenzellen zu sein[5].

Auslösende Faktoren

Porphyrie-Attacken mit neurovegetativen Symptomen und Bauchschmerzen sind lebensgefährlich. Sie werden durch eine Reihe von Faktoren ausgelöst:

  • hormonelle Veränderungen (z.B. prämenstruell, Schwangerschaft, Antikonzeptiva)
  • Arzneimittel: sie sind die wichtigsten auslösenden Faktoren (siehe hier).

Klassifikation der Porphyrien

Die Porthyrien werden grob eingeteilt in erythropoetische und hepatische Porthyrien. Die Unterscheidung berücksichtigt, dass die Geschwindigkeit der Synthese der Porphyrine unterschiedliche Engpässe aufweist: im Knochenmark ist es das Eisen und in der Leber das Häm.

Die meisten Porphyrien sind genetisch bedingt und werden autosomal dominant vererbt, so die akute intermittierende Porphyrie, die hereditäre Coproporphyrie und die Porphyria variegata (s. u.)

Erythropoetische Porphyrieformen

Hepatische Porphyrieformen

Akute Porphyrien

Akute hepatische Porphyrien sind AIP, HCP und PV. Sie sind Erkrankungen einer molekularen Fehlregulation der Hämbiosynthese, bei denen sich die Symptomatik im Gegensatz zur chronischen hepatischen Porphyrie nicht durch Anreicherung von Porphyrinen nicht in der Leber erklärt.

Chronische hepatische Prophyrie

Die chronische hepatische Porphyrie wird heute als Porphyria cutanea tarda (PCT) bezeichnet. Sie ist eine Erkrankung, die durch Anreicherung von Porphyrinen in der Leber zustande kommt [6].

Sekundäre Porphyrie