Metamizol – Novaminsulfon

Metamizol (Novaminsulfon, engl. auch dipyrone; Medikamente: z. B. Novalgin ®, Analgin®) ist ein altes und weit verbreitetes Medikament zur Schmerzlinderung und Fiebersenkung.

Kurzgefasst
Metamizol ist ein Medikament

zur Schmerzbekämpfung und Fiebersenkung. Ähnlich wie Paracetamol hat es den Vorteil, keine wesentlichen Nebenwirkungen am Magendarmkanal wie Gastritis, Übelkeit und Brechreiz aufzuweisen. Im Gegensatz zu den ebenfalls fiebersenkenden und schmerzstillenden NSAR wie Ibuprofen und Indomethacin hat es keine entzündungshemmenden Eigenschaften. Metamizol wird im Allgemeinen sehr gut vertragen. Als gefürchtete schwerwiegende Nebenwirkung gilt eine Schädigung des Knochenmarks mit Unterdrückung der Bildung roter und weißer Blutkörperchen (aplastische Anämie und Agranulozytose). Laut neueren Untersuchungen wurde jedoch die Häufigkeit dieser Nebenwirkungen deutlich zu hoch angesetzt.

Pharmakologie


Metamizol ist ein Pyrazolon-Derivat mit einer Bioverfügbarkeit von >80%. In der Leber wird es zu verschiedenen biologisch aktiven Produkten (wie 4-Aminoantipirin and 4-Formylaminoantipirin, 4-Acetylaminoantipirin) metabolisiert. Die Ausscheidung erfolgt zu bis zu 70% über den Urin.

Wirkungen


Nach Resorption aus dem Darm wird Novaminsulfon rasch zu verschiedenen wirksamen Metaboliten abgebaut, deren Wirkungsgipfel nach etwa 1-3 Stunden erreicht wird. Die Wirkungen der Metabolite scheint vielfältig zu sein und sind nicht vollständig verstanden; einer von ihnen hemmt unspezifisch COX-1 und COX-2 und damit die Prostaglandin-Synthese. Andere binden an den Cannabis-Rezeptor (CB1, CB2) im Gehirn von Versuchstieren. Das Endocannabinoidsystem scheint damit eine Rolle bei der schmerzstillenden Wirkung von Metamizol zu spielen. [1][2].

Metamizol wirkt stärker schmerzstillend (analgetisch) als Paracetamol und zudem auch etwas krampflösend (spasmolytisch). Die analgetische Potenz entspricht etwa der von Tramadol. Gegenüber Opioden Metamizol den Vorteil, weder Schläfrigkeit, Atemdepression noch Brechreiz hervorzurufen. In Kombination mit Opioiden kann es deren Dosis und Nebenwirkungen reduzieren helfen. Gegenüber NSAR’s wie Indomethacin oder Ibuprofen hat es den Vorteil einer niedrigeren Nebenwirkungsrate (insbesondere kaum Übelkeit und Brechreiz), aber den Nachteil einer fehlenden antientzündlichen (antiinflammatorischen) Wirkung.

Nebenwirkungen

Agranulozytose

Die seit vielen Jahren immer wieder betonte Hauptnebenwirkung betrifft eine Schädigung des Knochenmarks mit Agranulozytose, deretwegen Metamizol in Deutschland bereits einmal vom Markt genommen worden war. In anderen Ländern ist es weiterhin nicht zugelassen. Die Rate an schwerwiegenden Knochenmarksdepressionen ist jedoch offenbar sehr gering. Eine Reevaluation der Daten ergab, dass frühere Schätzungen zur Häufigkeit einer Agranulozytose und aplastischen Anämie zu hoch gegriffen waren. Es wird angenommen, dass geographisch genetisch Unterschiede bei den Ergebnissen eine Rolle gespielt haben.

In Spanien beispielsweise wurde die Inzidenz einer Dipyrone-(Metamizol-)induzierten Agranulozytose 0.56 Fällen pro Million Einwohner und pro Jahr errechnet [3].

In einer Schwedischen Zusammenstellung wurde die Inzidenz von 1 Fall einer Agranulozytose auf 1439 Verschreibungen gefunden [4].

In Polen wurde eine Inzidenz von lediglich 0,2 Fällen pro 1 Million Personentage festgestellt [5]. In einer weiteren Studie aus Polen wird festgestellt, dass bei einem Verbrauch von 112,300,094 Tabletten Metamizol pro Jahr eine Inzidenz von 0.25 Fällen einer aplastischen Anämie pro 1 Million Personen pro Behandlungstag auftrat [6]. In einer neueren Zusammenstellung aus Polen wird die Rate für eine aplastische Anämie und Agranulozytose mit 0.16 and 0.08 Fällen pro 1 Million Personentage angegeben [7]. Alle Untersuchungen weisen auf eine sehr geringe Rate an schwerwiegenden Nebenwirkungen.

Offenbar ist die Länge der Medikation ein Faktor, der die Inzidenz beeinflusst. Die meisten Indikationen sind jedoch nur kurzfristiger Art.

Weitere Nebenwirkungen

Zu den sehr seltenen Nebenwirkungen von Novaminsulfon gehören z. B. Übelkeit, Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut und eine anaphylaktische Reaktion.

In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Metamizol nicht verabreicht werden.

Bei seltenen Stoffwechselkrankheiten (Porphyrie, G6PDH-Mangel (Favismus)) ist Metamizol kontraindiziert.

Metamizol erniedrigt den Wirkspiegel von Cyclosporin.

Indikationen

Novaminsulfon wird bei verschiedenen Indikationen eingesetzt. Beispiele sind:

  • Postoperativer Schmerz: in einer Cochrane-Zusammenstellung bessert Metamizol bei 70% der Patienten den Schmerz zu mindestens 50%. In den ausgewerteten Studien wurden keine ernsthaften Nebenwirkungen beobachtet [8].
  • Fieber und Kopfschmerzen bei einem Virusinfekt (z. B. Erkältung).
  • Fiebersenkung bei verschiedensten fieberhaften Erkrankungen,
  • Tumorschmerzen, oft zur Einsparung von Opiaten.

Verweise

Literatur

  1. ? Bioorg Med Chem. 2012 Jan 1;20(1):101-7
  2. ? Behav Pharmacol. 2012 Oct;23(7):722-6
  3. ? Eur J Clin Pharmacol. 2005 Jan;60(11):821-9
  4. ? Eur J Clin Pharmacol. 2002 Jul;58(4):265-74
  5. ? J Int Med Res. 2002 Sep-Oct;30(5):488-95
  6. ? Med Sci Monit. 2004 Sep;10(9):PI93-5. Epub 2004 Aug 20
  7. ? J Int Med Res. 2010 Jul-Aug;38(4):1374-80
  8. ? Cochrane Database Syst Rev. 2010 Sep 8;(9):CD003227. doi: 10.1002/14651858.CD003227.pub2.