LDL-Cholesterin

LDL-Cholesterin ist die Bezeichnung für Cholesterin, das im Blut an Low-Density-Lipoproteine (LDL) gebunden transportiert wird. LDL-Cholesterin wird landläufig als „das schlechte Cholesterin“ bezeichnet, da zu hohe Werte mit einem deutlich erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (speziell Herzinfarkt und Schlaganfall) assoziiert sind. Häufigste Ursache für erhöhte Werte ist Adipositas bei Typ-2-Diabetes.

Physiologie und Biochemie von LDL


LDL sind Lipoproteinpartikel mit einer Größe von 20nm. Sie enthalten Apo B100 als Apolipoprotein un wandern im Bereich der ß-Globuline.

LDL-Entstehung aus VLDL

LDL entstehen aus VLDL (Very-Low-Density-Lipiproteine). VLDL wird in der Leber synthetisiert, um Triglyceride zu den peripheren Körperzellen zu transportieren. Durch Abgabe von Triglyceriden und Interaktion mit HDL (High-Density-Lipoproteine) entstehen die Lipoproteine IDL (Intermediate-Density-Lipoproteine) und LDL. Diese werden zum Teil von der Leber, zum Teil von peripheren Körperzellen aufgenommen, die für ihren Zellstoffwechsel auf Cholesterin angewiesen sind (siehe unter Cholesterin).

LDL-Rezeptoren in der Leber

In der Leber wird LDL durch spezifische Rezeptoren aufgenommen. Sie bewirken, dass etwa die Hälfte der LDL aus der Blutbahn entfernt wird. Ihre Aktivität wird herunter reguliert, wenn die Konzentration der Triglyceride im Blut steigt, so bei einem Anstieg der Chylomikronen nach Mahlzeiten. Auf diese Weise steigern gesättigten Triglyceride der Nahrung auch den LDL-Cholesterin-Spiegel des Bluts. Die LDL-Rezeptoren werden bei fettarmer Kost wieder hoch reguliert.

Ein angeborener Defekt des LDL-Rezeptors (Braun-Goldstein-Rezeptor) führt zu einer therapieresistenten Hypercholesterinämie mit extrem hohen LDL-Werten und zu früher Arteriosklerose mit ihren Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Der LDL-Rezeptor wird durch eine im Blut zirkulierende Proproteinconvertase (Subtilisin/Kexin Typ 9, PCSK9) reguliert. Sie beschleunigt seinen Abbau. Ist PCSK9 funktionsunfähig, wie es bei einigen Mutationen gefunden wurde, so bewirkt dies eine verlängerte Wirksamkeit des Rezeptors und damit eine erhöhte Aufnahme von LDL-Cholesterin aus dem Blut. Die Cholesterin-senkende Funktion von Medikamenten, die PCSK9 hemmen, stellt eine neue Therapieoption bei Hypercholesterinämie dar (siehe hier).

Oxidiertes LDL in Makrophagen

Bei einer erhöhten Konzentrationen gelangt LDL-Cholesterin auch in Makrophagen, die sich in Schaumzellen umwandeln. Das hier abgelagerte LDL ist großenteils oxidiert. Die Makrophagen können ins Endothel der Arterien wandern und dort eine Entzündung und Plaquebildung hervorrufen (siehe unter Arteriosklerose).

Eine Sonderform des LDL ist Lipoprotein(a) (Lp(a), das mit einem erhöhten Risiko für arteriosklerotische Komplikationen verbunden ist. Mehr dazu siehe hier.

Werte für LDL-Cholesterin


Eine erhöhte Konzentration von LDL-Cholesterin bedeutet ein erhöhtes Risiko für die Bildung einer Arteriosklerose mit ihren Komplikationen Herzinfarkt und eines Schlaganfall.

Werte für LDL-Cholesterin von unter 100 mg/dl werden als niedrig, von 100 – 119 mg/dl als normal eingestuft. Bei Werten von 120 – 149 mg/dl ist das Herzinfarktrisiko bereits etwa 12-fach, bei Werten um 170 – 190 mg/dl schon etwa 50-fach erhöht.

Empfohlene Grenzwerte für LDL-Cholesterin

Nach den Empfehlungen von Fachgesellschaften werden Werte von LDL-Cholesterin unterhalb folgender Grenzen angestrebt [1] :

  • 160 mg/dl (4.14 mmol/l) für Patienten mit 0 – 1 Risikofaktor bzw. weniger als 10% Risiko für eine koronare Herzkrankheit,
  • 130 mg/dl (3.4 mmol/l) für Patienten mit 2 oder mehr Risikofaktoren bzw. 10 – 20% Risiko für eine koronare Herzkrankheit,
  • 100 mg/dl (2,6 mmol/l) für Patienten mit einem hohen Risiko von über 20% für eine koronare Herzkrankheit,
  • 70 mg/dl (1.8 mmol/l) für Höchstrisiko-Patienten mit einer Vorgeschichte einer koronaren Herzkrankheit, einem Diabetes mellitus, einer Arteriosklerose der Arteria carotis oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK).

Verweise

Literatur

  1. ? J Am Coll Cardiol. 2004;44:720–732