Kolorektales Karzinom

Das kolorektale Karzinom (Darmkrebs) ist ein bösartiger Tumor des Dickdarms (Kolon) und Enddarms (Rektum). Seine Diagnostik und auch Vorbeugemaßnahmen stützen sich wesentlich auf die Darmspiegelung. Die Therapie beinhaltet verschiedene endoskopische und operative Verfahren. Das metastasierende kolorektale Karzinom bedarf einer Chemotherapie.

Siehe auch Darmkrebs – einfach erklärt
Zum Rektumkarzinom siehe hier.


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Was man wissen sollte


Kurzgefasst
Das kolorektale Karzinom (Darmkrebs) gehört zu den häufigsten bösartigen Tumoren. Betroffen ist der gesamte Dickdarm und Enddarm. Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko für Darmkrebs zunehmend. Es kann durch falsche Ernährung erhöht und durch vernünftige Ernährung gesenkt werden!

Vorsorge: In seinen Anfangsstadien ist Darmkrebs meist heilbar; nach Aussaat von Tochtergeschwülsten wird eine vollständige Heilung immer schwieriger. Der Darmkrebsvorsorge durch eine Vorsorgekoloskopie kommt daher eine hohe Bedeutung zu.

Diagnostik: Durch eine Darmspiegelung können Darmpolypen, die Krebsvorstufen darstellen, erkannt und entfernt werden. Zur Abklärung der Ausbreitung und von Tochtergeschwülsten dienen MRT und CT.

Therapie: Solange sich der Dickdarmkrebs nur in der Schleimhaut ausbreitet oder nicht weiter als bis zu den ersten Lymphknoten ausgebreitet hat, kann er noch durch eine Operation vollständig entfernt werden. Sicherheitshalber wird eine Chemotherapie angeschlossen.

Sind Tochtergeschwülste (Metastasen) bereits in entfernteren Lymphknoten oder in der Leber oder Lunge aufgetaucht, so kann eine Operationen meist nicht mehr zur Heilung führen. Dennoch kann eine Resektion zur Vorbeugung lokaler Komplikationen, wie einer Blutung oder einem Darmverschluss, sinnvoll sein. Die Therapie stützt sich in erster Linie auf eine Chemotherapie, die der Lebensverlängerung und besseren Lebensqualität dienen soll.

Zum Rektumkarzinom siehe hier.
Patienteninfos zum Darmkrebs siehe hier!


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Definition


Das kolorektale Karzinom ist eine bösartige Neubildung in Rektum oder Kolon; es wird auch als Kolonkarzinom, Dickdarmkrebs oder Darmkrebs bezeichnet.

Inzidenz

Die Inzidenz des kolorektalen Karzinoms ist hoch. Nach dem Bronchialkarzinom ist der Darmkrebs der zweit häufigste bösartige Tumor. In Deutschland erkrankten 2002 nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 71.400 Menschen an einem kolorektalen Karzinom (Männer und Frauen mit etwa gleicher Häufigkeit).

Etwa jeder 20. Bundesbürger entwickelt in seinem Leben ein Kolonkarzinom. Betroffen sind vor allem höhere Altersgruppen. Das Risiko steigt ab dem 50. Lebensjahr deutlich an. Etwa 10% der Darmkrebsfälle finden sich bis zum 50sten Lebensjahr, nach dem 70sten über 50%. Man rechnet mit annähernd 30.000 Todesfällen pro Jahr.[1].1)Epidemiologische Bulletin des RKI Nr. 6 vom 9.2.2015

Einteilungen

Einteilung nach Genetik

Nicht-hereditäres Kolonkarzinom

  • Sporadisches Kolonkarzinom, das über eine Adenom-Karzinom-Sequenz entsteht (etwa 60%).
  • Kolorektales Karzinom bei chronisch entzündlichen Darmkrankheiten: es scheint nicht über die Adenom-Karzinom-Sequenz zu entstehen, sondern sich direkt aus der ständig entzündlich umbauenden Schleimhaut zu entwickeln. Das Risiko steigt ab dem 8. Jahr jährlich um etwa 1%.

Hereditäre Kolonkarzinome

Etwa 5% der Patienten mit kolorektalem Karzinom haben eine erbliche Disposition. Es gibt 2 Hauptformen:

  • FAP (familiäre adenomatöse Polyposis) (etwa 1%)
  • HNPCC (hereditäres nicht polypöses kolorektales Karzinom, Lynch Syndrom) (etwa 2-5%)

Fragliche hereditäre Komponente

Es gibt kolorektale Karzinome, bei denen bei einem oder mehreren Blutsverwandten ebenfalls Darmkrebs, der nicht zu den HNPCC-Tumoren gehört, vorliegt, und das dem sporadischen Darmkrebs ähnelt (etwa 35%). Diese Entität wird mit dem sporadischen Darmkrebs oft zusammen betrachtet.

Einteilung nach Lokalisation

Rektumkarzinom

Bösartige Neubildungen im Dickdarm unterhalb von 16 cm ab der Anokutanlinie (mit dem starren Rektoskop gemessen). Für die Planung einer Bestrahlung ist die Grenze der peritonealen Umschlagfalte von Bedeutung, die etwa dort verläuft (oberhalb ist die Tumorlokalisation nicht fixiert genug). Dazu siehe hier.

Kolonkarzinom

Bösartige Neubildungen im Dickdarm oberhalb von 16 cm ab der Anokutanlinie (mit dem starren Rektoskop gemessen) [2]

Ätiologie und Pathogenese

Entstehung aus Adenomen

Adenom-Karzinom-Sequenz: Karzinome entstehen meist aus adenomatösen Polypen (Typen: tubulär, villös oder tubulovillös). Da sie sich bei etwa 30% älterer Menschen finden, muss angenommen werden, dass weniger als 1% maligne entarten. Die Wahrscheinlichkeit zur Entartung steigt mit der Polypengröße (ca 2% bei > 1,5 cm Durchmesser, bis zu 10% bei bis zu 2,5 cm Durchmesser, über 10% bei > 2,5 cm Durchmesser). Prämaligne und maligne Veränderungen tragen eine Reihe von DNA-Veränderungen (z. B. eine Mutation im K-ras proto-Onkogen oder ein Allel-Verlust beim Tumor-Suppressor-Gen auf dem langen Arm des Chromosoms 5, 5q21, oder auf Chromosom 18q). Damit scheinen eine Onkogen-Aktivierung und ein Allelverlust von Genen, die die Tumorentstehung unterdrücken, an der Entstehung der Adenom-Karzinom-Sequenz beteiligt zu sein. Es wird angenommen, dass Adenome meist bis zu 5 Jahren benötigen, bis sie klinisch auffällig werden.

Risikofaktoren

Als Risikofaktoren für die Entstehung kolorektaler Karzinome werden angesehen:

  • ein hoher Anteil tierischer Fette in der Nahrung. Möglicherweise führt eine vermehrte Zufuhr tierischer Fette zu einer relativen Steigerung des Anaerobieranteils der Kolonflora, die für eine metabolische Umwandlung von Gallensäuren in Karzinogene verantwortlich sein sollen.

Viele Risikofaktoren folgen aus dem Lebensstil [3] und sind änderbar!

Überexpression von COX2

Prostaglandine vermögen wahrscheinlich über autokrine und parakrine Wege, die Zellproliferation und die Angiogenese zu stimulieren und so prokarzinogen zu wirken [4]. Die Cyclooxygenase 2 (COX-2), die die Prostaglandinsynthese aus Arachidonsäure enzymatisch vermitteln, werden in der entarteten Kolonschleimhaut vermehrt exprimiert. Die fortschreitende Entartung hin zum Karzinom kann offenbar durch COX-2-Hemmer gehemmt werden [5][6].

Prädispositionen

Folgende Erkrankungen und Vorbedingungen prädisponieren zur Entstehung eines kolorektalen Karzinoms :

  • Familiäre adenomatöse Polyposis coli (FAP, seltene familiär auftretende Neigung zu multiplen Kolonpolypen, Untertypen Gardner-Syndrom, Turcot-Syndrom)
  • Lynch Syndrom (hereditary nonpolyposis colon cancer, HNPCC, autosomal dominante Vererbung, frühe Karzinomentstehung, meist mehrere Verwandte betroffen)
  • Colitis ulcerosa (zunehmende karzinomatöse Entartung bei multiplen Rezidiven und langem Verlauf, das Risiko steigt deutlich nach 8-10 Jahren)
  • Spezielle Infektionen in der Anamnese: Streptokokkus-bovis-Septikämie oder -Endokarditis in der Vorgeschichte (Zusammenhang mit dem kolorektalen Karzinom unklar)
  • Zustand nach Ureterosigmoideostomie (Anstieg des Krebsrisikos nach 10 Jahren)

Neue Hypothese: Darmkrebs durch Viren?

Das Darmkrebsrisiko ist bei Menschen, die viel rotes Fleisch essen, erhöht [20][21], wofür Karzinogene, die während der Erhitzung entstehen, verantwortlich gemacht wurden [22]. Die Beobachtung, dass es vor allem der Verzehr von nicht durchgebratenem Rindfleisch ist, welcher das Risiko für Darmkrebs erhöht, führt zur neuen Hypothese, dass nicht Kanzerogene allein, sondern möglicherweise mit Rindfleisch assoziierte Viren an der Entstehung von Darmkrebs beteiligt sind. Dafür spricht eine geographische Assoziation von Verzehr nicht durchgebratenen Rindfleischs mit der Inzidenz von Darmkrebs. [23].

Daher Empfehlung: nur durcherhitztes Rindfleisch

Auf jeden Fall wäre bis zur Klärung der Hypothese zu empfehlen, Rindfleisch nur in durcherhitztem Zustand zu sich zu nehmen.

Literatur   [ + ]

1. Epidemiologische Bulletin des RKI Nr. 6 vom 9.2.2015