Hungersnot

Hungersnot bedeutet erhebliche Unterversorgung eines Landes oder großen Gebiets an essentiellen Nahrungsmitteln. Die Vereinten Nationen definieren:

„A famine can be declared only when certain measures of mortality, malnutrition and hunger are met. They are: at least 20 per cent of households in an area face extreme food shortages with a limited ability to cope; acute malnutrition rates exceed 30 per cent; and the death rate exceeds two persons per day per 10,000 persons.“ (siehe hier)

Eine Hungersnot kann nur erklärt werden, wenn …

  • mindestens 20 Prozent der Haushalte in einem Gebiet unter extremer Nahrungsmittelknappheit leiden und ihre Möglichkeiten zur Bewältigung begrenzt sind;
  • mehr als 30 Prozent der Bevölkerung akut unterernährt sind, und
  • die Sterberate zwei Personen pro Tag pro 10.000 Personen übersteigt.

Ursachen einer Hungersnot


Die Ursachen einer Hungersnot können vielfältig sein. Diskutiert werden als Haupt- oder Teilfaktoren beispielsweise:

  • Mangel an Nahrungsmitteln durch Missernten z. B. durch Dürre, Heuschreckenplage etc. oder ungenügende Bevorratung,
  • Schwund von Ackerflächen (siehe siehe hier) durch
    • Zerstörung von Ackerflächen durch Kriege, Verseuchung durch Schadstoffe etc.,
    • Umwidmung von Ackerflächen in Industrieflächen oder Nutzung zur Erzeugung von Rohstoffen,
  • Probleme beim Transport von Nahrungsmitteln, z.B. in Kriegsgebieten oder aus politischen Gründen,
  • Probleme im Subventionswesen und mit der Preisgestaltung von Lebensmitteln,
  • unzureichende Bevölkerungspolitik,
  • unzureichende Berücksichtigung der Hungerprobleme durch die Politik „reicher“ Staaten. Auf der Seite des Entwicklungshilfeministeriums der BRD (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) für die Vorhaben in der Sahelzone kommt 03/2012 das Wort Hunger nicht vor (siehe hier).

Gegenden mit Gefahr einer Hungersnot


Aktuell ( 2011/2012) ist wie schon mehrfach zuvor (2005, 2010) die Sahelzone in Afrika (Subsaharazone: Senegal, Mauretanien, Gambia, Kamerum, Mali, Burkina Faso, Niger, Tschad) von einer Hungersnot bedroht (siehe hier). Die Nahrungsreserven sind jeweils weit vor der nächsten Ernte praktisch aufgebraucht.

Hunger und Hilfsorganisationen

Auch wenn die Hürden zur Erklärung einer Hungersnot von den UN hoch angesetzt sind und nur für größere politisch und versorgungsmäßig abgeschnittene Gebiete der Welt gilt, so tritt Hunger gehäuft auch in kleinen Gebieten wie Slums und in einzelnen Bevölkerungsschichten in einer so eklatanten Ausprägung auf, dass hier ebenfalls von einer Hungersnot gesprochen werden könnte – allerdings mitten in Gebieten mit ausreichender Nahrungsversorgung (Beispiel hier).

Während eine Hungersnot vom betroffenen Staat nicht eigenständig beherrscht wird oder werden kann und die Weltgemeinschaft in Form der Vereinten Nationen internationalen Hilfe anbietet, so sind die kleineren Gebiete, in denen Hunger herrscht, von der Hilfe von Hilfsorganisationen und einer sozialen Politik abhängig.

Hilfsorganisationen

Auswahl an Hilfsorganisationen mit Projekten gegen Unterernährung und medizinische Unterversorgung in Armutsgebieten der Welt:

Öffentliche Wahrnehmung einer Hungersnot

Hungersnöte und drohende Hungersnöte werden meist erst zu spät in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Die Hauptgründe sind:

  • Hungernde haben keine Lobby.
  • Die Deklaration einer Hungersnot durch die UN erfolgt erst spät und die großen Hilfsaktionen starten meist erst, wenn solch eine Deklaration erfolgt ist.
  • Die oft mangelhafte Information über die Ernährungssituation einer Bevölkerung ist vielfach dadurch begründet, dass Hungergebiete oft auch Kriegsgebiete und für die Presse unzugänglich sind.
  • Die Presse weist gelegentlich trotz besseren Wissens nicht nachhaltig genug auf das humanitäre Problem hin. Mit diesen Informationen lässt sich nicht immer Geld verdienen.
  • Spektakuläre Aktionen wie Demonstrationen mit dem Risiko von polizeilicher Festnahme (z. B. George Cloony 03/2012) sind öffentlichkeitswirksamer und finden eher den Weg in die Weltpresse und allgemeine Aufmerksamkeit als Appelle und Aufrufe.
  • Man liest an schlechten Nachrichten gerne vorbei. In einer gesättigten Welt will Hunger nicht gehört werden.

Verweise