Hernie

Definition


Hernien (griechisch hernios = Knospe, Synonym: Eingeweidebrüche) sind Ausstülpungen des parietalen Peritoneums durch angeborene oder erworbene Lücken. Dabei werden anatomisch die Bruchpforte, der Bruchsack und der Bruchinhalt (Organe) voneinander unterschieden.

Typen


Innere Hernien

  • Hiatushernie: Anteile des Magens sind ins Mediastinum verlagert
  • Treitz-Hernie

Äussere Hernien

  • Leistenhernie: am häufigsten, Leistenkanal als Bruchpforte
    Direkte = Eintritt der Hernie in der Fossa inguinalis lateralis, dann direkt durch die Bauchwandschichten
    Indirekte = Eintritt der Hernie am Anulus inguinalis profundus in der Fossa inguinalis lateralis, dann Verlauf im Canalis inguinalis, Austrittspforte am Anulus inguinalis superficialis
  • Nabelhernien: v.a. bei Kindern
  • Epigastrischen Hernie: Schwachstelle der Linea alba
  • Schenkelhernie: oft bei Frauen, Durchtritt durch die Lacuna vasorum, lateral der V. femoralis
  • Gleithernie: Bruchsack wird von Darm ausgekleidet, nicht von Peritoneum, davon abzugrenzen die Gleithernie des Magens (=axiale Hernie als Form der Hiatushernie)
  • Richter-Hernie: inkomplette Hernien, divertikelartige Darmausstülpung
  • Narben-Hernie: postoperative Faszienlücke

Ätiologie

Kongenital findet man Hernien bei inkomplettem fötalen Bauchwandverschluss (Omphalozele).

Als prädisponierend wirken alle Faktoren, die intraabdominell den Druck erhöhen, z.B. Schwangerschaft, Tumoren, chronische Obstipation, Prostatahypertrophie.

Diagnose

Familienanamnese, körperliche Untersuchung mit Berücksichtung aller möglichen Bruchpforten eventuelle mit Valsalva-Pressversuch, Palpation, Auskultation (Darmperistalik? Stenosen?), rektale Untersuchung zum Tumorausschluss.

Ergänzend Sonographie, CT und MRT möglich.

Differentialdiagnosen

Je nach Lokalisation:

Bauchdecke

  • Bachdeckenrelaxation, Rektusdiastase (=Auseinanderweichen der Linea alba)
  • Tumoren (Lipome, Sarkome, Lymphome)
  • Abszeß
  • Hämatom

Leiste

  • Coxitis
  • Hydrocele
  • Aneurysma der A./V. femoralis
  • Tendinopathie der Adduktoren

Klinische Einteilung

  • Reponible Hernien: bedeutet spontane oder manuelle Taxis möglich. OP: Elektive Hernioplastik, auch laparoskopisch
  • Irreponible Hernien: bedeutet Fixierung im Bruchring. OP: Frühelektive Hernioplastik ggf. mit Laparotomie
  • Inkarzerierte Hernien: bedeutet Einklemmung des Bruchinhalts bis zur Nekrose. OP-Notfall: Laparotomie ggf. mit Darmresektion.

Operationsverfahren

Die Operation läuft in 3 Abschnitten ab. Zunächst wird die Hernie präpariert, um Bruchpforte, -inhalt, -sack, und -hüllen klar darzustellen. In der darauffolgenden Reposition wird der Bruchinhalt beseitigt. Schliesslich in der Rekonstruktionsphase wird der Bruch mit verschiedenen Techniken verschlossen und die Wunde versorgt.

Offenes Nahtverfahren nach Shouldice (1960)

Verschluss der Bruchpforte durch Vernähung der Fascia transversalis zu zwei Schichten und gleichzeitiger Fixierung der Externusaponeurose, des M. obliquus internus und M. transversus abdominis an das Ligamentum inguinale. Rezidivrate ca. 4%.

Netzimplanatationen nach Liechtenstein (1989)

Spannungsfreies Verfahren, in dem ein Kunststoffnetz unter die Externusaponeurose gelegt wird.

TEP = Total extraperitoneale endoskopische Hernioplastik

TAPP = Transperitoneale Hernioplastik

Komplikationen

Repositionsfehler liegen dann vor, wenn der Bruchinhalt nicht sorgfältig reponiert wurde und somit weiterhin inkarzeriert bleibt. Man spricht von einer „Reposition en bloc“.