Harnsäure

Harnsäure ist das biologische Abbauprodukt von Purinen (Nukleinsäurebestandteil).

Die Bildung von Harnsäure rekrutiert sich zur Hälfte aus endogenem Purinabbau und zur anderen Hälfte aus den mit der Nahrung zugeführten Purinen (je etwa 300 mg/Tag). Die Harnsäuresynthese ist von der Xanthinoxidase abhängig und findet hauptsächlich in der Leber und im Dünndarm statt.

Die Ausscheidung der Harnsäure erfolgt zu 80% über die Nieren und zu 20% über den Darm. In den Nieren erfolgt die Ausscheidung zu einem geringeren Teil durch Filtration und zu einem größeren Teil durch aktive tubuläre Sekretion.

Der pKa-Wert von Harnsäure liegt bei pH 5,75; bei diesem pH liegt sie zur Hälfte dissoziiert vor. Bei pH-Werten darüber steigt der Dissoziationsgrad und die Löslichkeit verbessert sich; darunter sinkt er und die Neigung zur Bildung von Harnsäurekristallen steigt. Ablagerungen von Harnsäurekristallen als Tophi finden sich bei der Gicht in der Haut, in den Nieren und in Gelenken.

Indikationen zur Harnsäurebestimmung


Eine Bestimmung der Harnsäure gehört meist zum unspezifischen ersten Check-up bei älteren Menschen. Insbesondere wird sie bei folgenden spezifischen Indikationen bestimmt:

Referenzwerte


Die Normwerte sind alters- und geschlechtsabhängig.

  • Kinder:

6 Jahr(e) bis 12 Jahr(e) 1,8 – 5,9 mg/dl

  • Frauen:
    • 12 Jahr(e) bis 15 Jahr(e)2,2 – 6,4 mg/dl
    • 15 Jahr(e) bis 18 Jahr(e)2,4 – 6,6 mg/dl
    • über 18 Jahr(e) 2,5 – 6,5 mg/dl
  • Männer:
    • 12 Jahr(e) bis 15 Jahr(e) 3,1 – 7,0 mg/dl
    • 15 Jahr(e) bis 18 Jahr(e) 2,1 – 7,6 mg/dl
    • über 18 Jahr(e) 3,0 – 6,9 mg/dl

Erhöhte Werte

Eine Hyperurikämie liegt bei Werten über 6,4 mg/dl (381 ?mol/l) vor. Als Ursachen sind zu berücksichtigen:

  • eine Überproduktion von Harnsäure, z. B. bei
    • Tumorerkrankungen mit starker Zellteilungsrate (z. B. Leukämie, Polyzythämie),
    • Zytostatika-Therapie und Bestrahlung von Tumoren (mit hoher Zelluntergangsrate),
    • Purin-reiche Kost (Leber, Nieren, Innereien),
    • hoher Alkoholkonsum
    • angeborene Stoffwechselstörung (z. B. Lesh-Nyhan-Syndrom)
  • eine verminderte Harnsäureausscheidung über die Nieren bei

Folgen einer Hyperuricämie

Meist bleiben Menschen mit einer leichten Hyperurikämie asymptomatisch.

Gelenkentzündungen und dadurch bedingte Symptome einer Gicht (Arthritis urica) treten bei Harnsäurewerten über 350 mg/dl (ca. 6 mmol/l) selten, bei Werten über 400 mg/dl (ca. 7 mmol/l) mäßig häufig bis häufig, bei Werten über 500 (ca. 9 mmol/l) häufig bis fast immer auf.

Bei einer erhöhten Harnsäurekonzentration fallen Körperregionen, die eine lokale Azidose aufweisen, Harnsäurekristalle aus, so in stoffwechselarmen (bradytrophen) Geweben und lokalen Entzündungsgebieten. Es entwickeln sich weißliche „Tophi“, die an der Haut aufplatzen oder Gelenke destruieren können. Sie sind selbst Anreiz für eine (sterile) Entzündung und führen zu erheblichen Schmerzen speziell an Gelenken (Arthritis urica, „Zipperlein“); es kommt zur manifesten Gicht, zum akuten Gichtanfall. Am Großzehengrundgelenk werden die Gichtschmerzen als Podagra, am Handgelenk als Chiragra und an der Schulter als Omagra bezeichnet.

Bei vermehrter Harnsäure-Ausscheidung kann sich eine Nierenschädigung durch Bildung von Kristallen im Nierengewebe (Uratnephropathie, Gichtniere) mit Verschlimmerung der Niereninsuffizienz entwickeln.

Erniedrigte Werte

Sie sind selten und haben meist keinen Krankheitswert. Sie kommen i.d.R. zustande durch eine vermehrte Ausscheidung über die Nieren (z. B. beim SIADH-Syndrom (Syndrom inadäquater ADH-Produktion) oder durch Therapie mit Uricosurika, z.B. Probenecid oder Benzbromaron).

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