Hämolyse

Unter Hämolyse versteht man eine Erythrozytenüberlebenszeit unter 100 Tagen. Die Hämolyse ist um so ausgeprägter, je kürzer die mittlere Überlebenszeit ist. Bei klinisch wirksamer Hämolyse reicht die Nachproduktion roter Blutkörperchen nicht aus, und es kommt eine Anämie zustande (hämolytische Anämie).


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Diagnostik einer Hämolyse


Nachweisparameter

  • Schleiersenkung (keine scharfe Trennlinie zwischen Plasma und Zellsäule),
  • rotes Blutbild: normochrome, normozytäre Anämie, Anisozytose, Poikilozytose, Retikulozytose,
  • Laborwerte: Bilirubin (freies, indirektes) erhöht, LDH, und HBDH erhöht, freies Hämoglobin erhöht, Haptoglobin erniedrigt,
  • Knochenmark: rote Reihe hyperplastisch,
  • Erythrozytenüberlebenszeit: erniedrigt.

Die Diagnostik beruht vor allem auf dem Nachweis einer Erhöhung der LDH und des indirekten Bilirubins, einer Retikulozytose und einer Erniedrigung des (ungebundenen) Haptoglobins.

Coombs-Test

  • Direkter Coombs Test zum Nachweis von schon auf den Erythrozyten vorhandenen Immunglobulinen (IgG). Antikörper gegen IgG führen direkt zur Agglutination der Patientenerythrozyten (z.B. bei Transfusionszwischenfall oder autoimmunhämolytischer Anämie).
  • Indirekter Coombs Test zum Nachweis zirkulierender Antikörper (z.B. Rhesusantikörper im mütterlichen Blut). Hierbei werden dem Serum Testerythrozyten zugesetzt, die das Antigen auf ihrer Oberfläche enthalten, z.B. Rh-positive Erythrozyten. Sie beladen sich mit den inkompletten Antikörpern des Patienten. Dann wird Coombsserum gegen die inkompletten Antikörper zugesetzt, die die nun IgG-beladenen Testerythrozyten zur Agglutination bringen.

Gang der Diagnostik

Der Verdacht auf das Vorliegen einer Hämolyse kommt meist durch erhöhte Werte von Bilirubin, LDH oder der Retikulozytenzahl zustande. Wenn eine Hämolyse wahrscheinlich gemacht ist, sollte immer ein direkter Coombs-Test durchgeführt werden, in speziellen Fällen (s. u.) auch ein indirekter. Die Erhöhung der Konzentration freien Hämoglobins über 20 mg/l ist Hinweis auf eine Hämolyse. Sie kann frühzeitig erkennt werden, wenn Haptoglobin vermindert ist.

Durch eine Hämolyse kann eine gesteigerte intravasale Gerinnung angeregt werden, die durch gleichzeitige Fibrinolyse zu einer Erhöhung der D-Dimere führt.

Diagnostische Kriterien

  • Bilirubin steigt bereits bei einer Hämolyserate von >5% (normale Rate <0,8%)
  • LDH 1 (HBDH) ist ein Isoenzym der LDH, das im Herzmuskel und in Erythrozyten vorkommt. Es steigt in seiner Aktivität beim Herzinfarkt und bei Hämolyse an. Bei Hämolyse steigt es erst dann signifikant an, wenn über 800 mg freies Hämoglobin pro Liter Plasma freigesetzt wird.
  • Freies Hämoglobin weist bei Konzentrationen >20 mg/l auf eine Hämolyse hin. Der Wert kann durch die Blutabnahmetechnik verfälscht werden. EDTA darf bei der Abnahme nicht verwendet werden; es sind Heparinröhrchen erforderlich. Eine Hyperlipidämie kann die Bestimmung stören.
  • Die Erythrozytenlebenszeitbestimmung mit radioaktiv markierten Erythrozyten ist sensibler als Haptoglobin, LDH oder Bilirubin. Wenn bei klinischem Verdacht und normalen Werten für LDH, Bilirubin und Haptoglobin eine Hämolyse bewiesen oder ausgeschlossen werden soll, kann die Bestimmung der Erythrozytenüberlebenszeit zuhilfe gezogen werden.

Ursachen einer Hämolyse


  • Serologische Ursachen: Ikterus neonatorum bei Rh-Inkompatibilität, Fehltransfusion, autoimmunhämolytische Anämie, Evans Syndrom, Kälteagglutinine (Mykoplasmen, Virusinfekte, CLL)
  • Thermische Ursachen: Verbrennung
  • Chemische und toxische Ursachen: z. B. Schwermetalle, Detergenzien
  • Osmotische Ursachen: hyposmolare Lösungen

Pathophysiologie

Gealterte Erythrozyten werden vom retikuloendothelialen System (RES) der Milz und des Knochenmarks phagozytiert. Durch ihren Zerfall werden Hämoglobin und LDH (Isoenzym HBDH) frei. Ein kleiner Teil des Hämoglobins gelangt dabei ins Blut (freies Hämoglobin), wird an Haptoglobin gebunden und wieder ins RES aufgenommen, wo es in Häm und den Globinanteil gespalten wird.

Hämolysezeichen: Das bei einer Hämolyse frei werdende Häm wird zu Bilirubin abgebaut. Dies ist in nicht wasserlöslich und wird daher an Albumin gebunden zur Leber transportiert. Dort wird es mit Glukuronsäure gekoppelt (konjugiert) und damit wasserlöslich und über die Galle (biliär) ausscheidungsfähig gemacht. Aus dem nicht wasserlöslichen, noch unkonjugierten Bilirubin („indirektes Bilirubin“) wird durch die Glukuronidierung wasserlösliches konjugiertes Bilirubin („direktes Bilirubin“) (siehe unter Normale Funktionen der Leber). Bei einer Hämolyse läuft dieser Vorgang beschleunigt ab, was am vermehrten Anfall von freiem (nicht in Erythrozyten gebundenen) Hämoglobin, LDH und unkonjugiertem Bilirubin im Blut erkennbar ist.

Haptoglobin als Maß für eine Hämolyse: Haptoglobin (Hp) ist das Transportprotein für durch Hämolyse freigesetztes Hämoglobin im Blut. Es gibt 3 genetische Typen (Hp 1-1, Hp 2-1, Hp 2-2). Als Akute-Phase-Protein steigt Hp bei Entzündungen an, was eine leichte Hämolyse maskieren kann. Ansonsten führt die Bildung mit Hämoglobin zu einem Abfall des freien Haptoglobins. Ein Abfall lässt sehr sensibel auf das Ausmaß eines Blutzerfalls schließen. Haptoglobin ist jedoch ist erst dann erniedrigt, wenn die Erythrozytenüberlebenszeit durch Hämolyse auf unter 1/3 der Norm abgesunken ist. Haptoglobin wird in der Leber synthetisiert und kann bei dekompensierter Leberzirrhose auch ohne Hämolyse erniedrigt sein. Hp hat eine kurze Halbwertszeit von 8 Minuten, so dass es zur kurzfristigen Verlaufskontrolle geeignet ist.

Hämopexin als Hämolysemaß bei gleichzeitiger Entzündung: Hämopexin (Hx) ist ein Transportprotein für Häm (nach Spaltung des Hämoglobins in Häm und den Globinanteil) für den Transport ins RES. Es ist kein Akute-Phase-Protein. Hinsichtlich einer Hämolyse ist es weniger sensibel als Haptoglobin, wird aber auch nicht durch Entzündungen beeinflusst. Hx hat eine Halbwertszeit von 7-8 Stunden und ist daher weniger gut geeignet, um eine kurzfristige Verlaufskontrolle durchzuführen.

Hämolysefolge Gefäßverengung: Das bei einer Hämolyse frei werdende oxidierte Hämoglobin führt durch seine Reaktivität mit NO zur Vasokonstriktion und erhöht die Gerinnungsfähigkeit des Bluts und damit das Risiko von Organminderdurchblutungen und thrombembolischer Ereignisse [1].

Verweise

Literatur

  1. ? J Clin Invest. 2005 December 1; 115(12): 3409–3417