Hämatokrit (Hkt)

Hämatokrit (Hkt) ist die Bezeichnung für das relative Packungsvolumen der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) nach Zentrifugation von ungerinnbar gemachtem Vollblut in Bezug auf das Gesamtblutvolumen.

Die Bestimmung des Hämatokrits


Die Bestimmung des Hämatokrits erfolgt durch Zentrifugation von mit Blut gefüllten Glaskapillaren (Mikrohämatokrit) oder durch einen Hämatologie-Analyzer. In den Hkt gehen die Zahl der Erythrozyten und ihr Zellvolumen (MCV) sowie das Plasmavolumen ein.

Ein Zentrifugenröhrchen wird mit Blut gefüllt und zentrifugiert. Die roten Erythrozyten sedimentieren nach unten; der hellgelbe Überstand ist das Blutplasma. Die Höhe der sedimentierten roten Blutkörperchen wird in Prozent der Gesamthöhe des eingesetzten Blutvolumens, also Erythrozytensäule plus Plasmasäule) als Hämatokrit angegeben. Heute werden die Hkt-Werte durch Hämatologie-Analyzer auch indirekt bestimmt.

Indikationen


Der Hämatokrit wird bei Verdacht auf eine Blutarmut (Anämie) oder eine Bluteindickung (Polyglobulie oder Polyzythämie) bestimmt.

Er dient zur Berechnung des mittleren Zellvolumens der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und wird als einfach zu bestimmender Verlaufsparameter bei Veränderungen des roten Blutbilds verwendet.

Referenzwerte

Die Normalbereiche sind alters- und geschlechtsabhängig.

  • Kinder 6-8 Jahre 32 – 41%,
  • Kinder 10 – 13 Jahre 34 – 44%.
  • Männer 36 – 48%,
  • Frauen 35 – 45%,

Bitte beachten: Verschiedene Labore können unterschiedliche Normbereiche angeben.

Erniedrigte Hämatokrit-Werte

Erniedrigte Hämatokrit-Werte finden sich bei

  • einer Anämie (Blutarmut). Zu ihrer Differenzierung sind weitere Untersuchungen erforderlich.
    • erniedrigter Hkt und verkleinerte Erythrozyten (niedriges MCV): Am häufigsten liegt eine Eisenmangelanämie vor, so dass die Bestimmung der Eisenparameter (Eisen, Ferritin, Transferrinsättigung) sinnvolle ergänzende diagnostische Schritte darstellen. Im Falle einer Eisenmangelanämie sind die roten Blutkörperchen zu klein und zu schwach anfärbbar (hypochrome mikrozytäre Anämie). Ursachen können in chronischen Blutungen, einer Eisenverwertungsstörung oder in einer Resorptionsstörung von Eisen im Dünndarm liegen (z. B. bei einer Sprue).
    • erniedrigter Hämatokrit und vergrößerte Erythrozyten (erhöhtes MCV): Bei vergrößerten Erythrozyten, die zudem meist noch zu viel Hämoglobin enthalten und daher vermehrt anfärbbar sind (hyperchrome makrozytäre Anämie) kann eine „perniziöse Anämie“ (Morbus Biermer) vorliegen. Zur weiteren Diagnostik wird meist ergänzend Vitamin B12 und Folsäure bestimmt.
  • einer Blutverdünnung mit normaler Zahl roter Blutkörperchen und Erhöhung des Plasmavolumens, beispielsweise durch

Erniedrigte Hkt-Werte können im Falle einer Anämie zu einer mangelhaften Organdurchblutung führen. Am Herzen kann dies beispielsweise zu einer Angina pectoris und zu einer Herzinsuffizienz führen. Am Gehirn kann sich dies durch Schwindel und „Sternchensehen“, Ohrensausen, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche bemerkbar machen.

Erhöhte Hämatokrit-Werte

Ein erhöhter Hkt findet sich bei

  • Exsikkose (Bluteindickung durch Flüssigkeitsmangel, mangelnde Flüssigkeitszufuhr oder vermehrter Flüssigkeitsverlust) oder bei
  • einer Vermehrung und Vergrößerung der Erythrozyten, wie sie bei einer Polyglobulie oder Polyzythämie vorkommen.
  • Aufenthalt in großen Höhen (z. B. Höhentraining),
  • Hämochromatose
  • Erythropoetin (therapeutisch oder durch Doping zugeführt).

Erhöhte Hämatokrit-Werte (über 50% zunehmend) bedingen ein erhöhtes Risiko für Thrombosen, Embolien, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Verweise