HDL-Cholesterin

HDL ist die Abkürzung für High-Density-Lipoproteine. HDL transportiert Cholesterin aus der Körperperipherie zur Leber zurück. Es schützt vor Arteriosklerose und ihren Komplikationen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine Steigerung der HDL-Konzentration im Blut wird durch „gesundes Leben“ mit viel körperlicher Bewegung und – bei Übergewichtigen und Adipösen – durch Gewichtsabnahme gefördert. Medikamentös erhöht insbesondere Niacin die HDL-Konzentration.

Die untere Normgrenze von HDL-Cholesterin im Blut liegt für Frauen bei 45 mg/dl und für Männer bei 35 mg/dl.

Klinische Bedeutung


Zur Erniedrigung des kardiovaskulären Risikos ist nicht nur eine Senkung des LDL-Cholesterins im Blut von Bedeutung. Auch bei niedrigen Werten bleibt ein beachtliches Restrisiko für Herzinfarkt und Schlaganfall vorhanden. Niedriges HDL-Cholesterin ist neben erhöhtem LDL-Cholesterin ein unabhängiger Risikofaktor. Einer Erhöhung des HDL-Cholesterins durch Umstellung der Lebensweise und medikamentöse Intervention kommt daher eine große präventive Bedeutung zu. Wenn HDL-Cholesterin um 1 mg/dl steigt, reduziert sich die Rate kardiovaskulärer Ereignisse um etwa 2-3 %!

Pathophysiologie


HDL ist das Transportmittel für Cholesterin aus der Peripherie zur Leber, wo es zu Gallensäuren verstoffwechselt oder unverändert in die Galle ausgeschieden wird.

Makrophagen (beispielsweise aus arteriosklerotischen Plaques peripherer Gefäßwände) geben unverestertes Cholesterin an Apolipoprotein A1 ab, das das Grundgerüst des HDL darstellt. Durch Wirkung der LCAT (Lecithin-Cholesterin-Acyltransferase) wird das unveresterte Cholesterin verestert. Durch Aufnahme von Cholesterin wächst lipidarmes diskoidales HDL (Prae-Beta-HDL) über Beta-HDL zu Cholesterin-reichem, sphärischem Alpha-HDL, aus dem das (veresterte) Cholesterin von der Leber über den Scavenger Rezeptor B Typ 1 (SR-B1) aufgenommen wird.

HDL kann über das Cholesterylester-Transferprotein (CEPT) Cholesterin an LDL abgeben, das ebenfalls von der Leber (über den LDL-Rezeptor) aufgenommen wird. Eine genetische CEPT-Defizienz (Beobachtung in Japan) führt zu einer Erhöhung des HDL-Cholesterins. Bestimmte genetische Alterationen des CETP Gen bei 16q13 sind mit einem veränderten kardiovaskulären Risiko verbunden [1]. Eine experimentelle CEPT-Hemmung führt zur Erhöhung von HDL-Cholesterin. Dies könnte eine therapeutische Perspektive darstellen (s.u.). Jedoch wird darauf hingewiesen, dass eine de-novo HDL-Synthese in der Leber und/oder im Dünndarm (z. B. über Steigerung der Apolipoprotein-I (apo A-I)-Gen-Aktivität wahrscheinlich die wirksamste therapeutische Methode darstellen würde [2].

Hohe HDL-Werte (>70 mg/dl) sind statistisch mit einem CEPT-Polymorphismus (B2 Allel des TaqIB-Gens) und Langlebigkeit assoziiert [3].

HDL hat weitere antiatherogene Effekte:

  • Es hemmt die Oxidation von LDL, das in Makrophagen der Gefäßwände aufgenommen wird. Diese Makrophagen degenerieren zu Schaumzellen und tragen zur Bildung arteriosklerotischer Plaques bei.
  • Es unterdrückt die Bildung von Entzündungsmediatoren in den Gefäßwänden.
  • Es wirkt antithrombotisch.
  • Es erhöht die NO-Bildung durch die NO-Synthase.

Erhöhung von HDL-Cholesterin

Zu Verringerung eines erhöhten kardiovaskulären Risikos gehört eine Anhebung des HDL-Cholesterin-Spiegels. Dies gelingt durch körperliche Bewegung und gesunde Ernährung, die reich an ungesättigten Fettsäuren ist, und durch Medikamente.

Medikamente zur Erhöhung des HDL-Cholesterins

  • Statine (wie Simvastatin oder Atorvastatin) erhöhen HDL-Cholesterin um bis zu 10% [4].
  • Fibrate wie Gemfibrozil oder Fenofibrat steigern die Konzentration von HDL-Cholesterin um bis zu 20%.
  • Niacin erhöht die HDL-Cholesterin-Konzentration um bis zu 30% und senkt die Gesamtmortalität nach 15 Jahren um über 10% [5].
  • CEPT-Hemmer (wie Torcetrapib und Dalcetrapib) senken im Tierexperiment das Arteriosklerose-Risiko [6] und könnten eine weitere Option für eine Anhebung des HDL-Spiegels sein. Studien haben jedoch zu problematischen Ergebnissen mit adversen Effekten geführt [7].

Verweise

Literatur

  1. ? Circ Cardiovasc Genet. 2009 Feb;2(1):26-33
  2. ? Haas MJ, Mooradian AD.Drugs. 2010 Mar 19.
  3. ? Open Cardiovasc Med J. 2010 Jan 29;4:14-9
  4. ? JAMA 2007; 298: 786-798
  5. ? Am J Coll Cardiol 1986; 8: 1245-1255
  6. ? J Clin Invest 1995; 96: 2071-2074
  7. ? NEJM 2007; 357: 2109-2122

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