Gestörte Glukosetoleranz

Gestörte Glukosetoleranz bedeutet unzureichende Regulation des Blutzuckers nach oraler Glukosezufuhr. Sie deutet auf eine Schwäche der Insulinwirkung, die sich nur unter Belastungsbedingungen manifestiert; ohne Zuckerzufuhr liegt der Blutzuckerspiegel im Normbereich.

Der Nachweis einer gestörten Glukosetoleranz ist insofern von großer Bedeutung, als er bereits viele Jahre vor der Manifestation einer Zuckerkrankheit nachweisbar ist und auf die zugrunde liegende Stoffwechselstörung hinweist.

Eine gestörte Glukosetoleranz bei noch normalem Nüchternblutzucker, also ohne Vorliegen eines manifesten Diabetes mellitus, führt bereits zu ersten Veränderungen an Blutgefäßen, Augen, Nerven und Nieren im Sinne einer diabetischen Angiopathie, Retinopathie, Neuropathie und Nephropathie (mehr dazu siehe hier).

Die frühzeitige Erkennung einer gestörten Glukosetoleranz, d. h. einer unter Glukosezufuhr nicht ausreichenden Blutzuckerregulation, führt daher zur dringenden Empfehlung einer Diabetes-Vorbeugung, was durch Umstellung der Ernährung und des Lebensstils am effektivsten geschieht.

Eine gestörte Glukosetoleranz wird durch einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) nachgewiesen, bei dem der 2-Stunden-Blutzuckerwert erhöht ist (Indikationen und Durchführung s.u.).

Definition


Die Definition richtet sich nach den Leitlinien der Fachgesellschaften [1]

Eine gestörte Glukosetoleranz („impaired glucose tolerance“, IGT) liegt vor, wenn der Nüchternblutzucker unter 126 mg/dl plus der 2-Stundenwert des oralen Blutzuckerbelastungstests (oGTT) zwischen 126 und 200 mg/dl ergibt (Messung im venösen Plasma oder im Kapillarblut).

Indikationen zur Prüfung auf eine gestörte Glukosetoleranz


Eine Untersuchung auf eine gestörte Glukosetoleranz durch den orale Glukosetoleranztest (oGTT) ist indiziert bei Patienten mit Nüchternblutzuckerwerten unter 126 mg/dl und folgenden Bedingungen:

Eine seltene Indikation ist die Diagnostik unerklärter Hypoglykämien. Hierbei wird nicht nur der Blutzucker, sondern auch Insulin und C-Peptid gemessen, um eine überschießende Insulinproduktion erkennen zu können.

Auch eine koronare Herzkrankheit sollte Anlass sein, den Glukosestoffwechsel zu überprüfen.

Test auf gestörte Glukosetoleranz

Eine gestörte Glukosetoleranz lässt sich durch einen Glukosetoleranztest erkennen.

  • Voraussetzung Nüchternheit.
  • Vor Beginn der Glukoseeinnahme wird der Blutzucker bestimmt (Kapillarblut bzw. venöses Blutplasma).
  • Einnahme von 75g Glukose als Probetrunk gelöst in z.B. 250 ml Wasser (bei Kindern 1,5 g pro kg Körpergewicht).
  • Bestimmung des Blutzuckers nach 1 und 2 Stunden. Bei der Diagnostik ungeklärter Hypoglykämien (s.o.) erfolgt auch nach 3 Stunden eine Blutabnahme.

Ein weiterer Hinweis auf eine gestörte Glukosetoleranz ist ein erhöhtes C-Peptid.

Interpretation

Eine gestörte Glukosetoleranz liegt vor, wenn

  • der Nüchternblutzucker zwischen 100 und 110 mg/dl (5,5–6,1 mmol/l) liegt, oder
  • der 2-Stundenwert (bei kapillärer Blutabnahme) zwischen 140–200 mg/dl (7,8–11,1 mmol/l) bzw. bei venöser Blutabnahme zwischen 120–180 mg/dl (6,6–10,0 mmol/l) liegt

(vergl. Definition des Diabetes mellitus).

Bedeutung einer gestörten Glukosetoleranz

Eine gestörte Glukosetoleranz ist ein Risikofaktor für die Entstehung eines Diabetes mellitus und kardiovaskulärer Erkrankungen wie Arteriosklerose, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Bei einer gestörten Glukosetoleranz ist zu empfehlen,

Verweise

Literatur

  1. ? Diabetologie 2008; 3 Suppl 2: S131–S133