Gastritis

Gastritis bedeutet Magenschleimhautentzündung. Sie kann akut mit Übelkeit, Brechreiz und Völlegefühl oder chronisch ohne besondere Symptome verlaufen. Nach ihrem Verlauf und ihrer Auslösung wird sie in verschiedene Formen (akute Gastritis, chronische Gastritis Typ A, Typ B und Typ C) eingeteilt. Die Unterscheidung erfolgt durch eine Magenspiegelung (Gastroskopie) und Untersuchung einer Gewebeprobe (Histologie) der Magenschleimhaut. Sie ist Voraussetzung für eine typengerechte Behandlung. Eine chronische Entzündung erhöht das Risiko für ein Magenkarzinom (s.u.).

Siehe auch Gastritis in Bildern.


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Klassifikation


Die Entdeckung der Bedeutung der Magenkeime Helicobacter pylori für die Entwicklung einer Magenschleimhautentzündung führte 1990 zu einer neuen Einteilung (Sydney-Klassifikation). Im Groben lässt sie sich unterteilen in

  • akute Gastritis,
  • chronische Gastritis und
  • Sonderformen der Gastritis.

Formen und Ursachen


Akute Gastritis

Akute Gastritis mit Rötung und Vergröberung der Schleimhautmusterung. Blick in den unteren Magenteil (Antrum); die Öffnung ist der Magenausgang (Pylorus).

Die akute Magenschleimhautentzündung wird ausgelöst durch

  • schädigende Stoffe (exogene Noxen) wie Medikamente (z. B. NSAR, Zytostatika, Laugen- oder Säureeinwirkung etc.), Rauchen oder Alkohol,

Chronische Gastritis

  • Typ A: Die Entzündung betrifft den oberen Korpus und Fundus und führt zu einer dünnen, durchscheinenden Schleimhaut: autoimmunologischer Mechanismus, Autoimmungastritis mit Antikörpern gegen Parietalzellen (gegen H/K-ATPase) und/oder Intrinsic-Faktor.
  • Typ B: Die Entzündung erfolgt vom Antrum zum Fundus aufsteigend: bakterielle Auslösung (meist Helicobacter pylori).
  • Typ C: Bei ihr ist die Entzündung in Antrum und Korpus lokalisiert. Auslösung durch exogene Noxen, wie durch
    • toxische Stoffe, z. B. auch durch gallehaltigen Magensaft bei duodenogastralen Reflux,
    • Alkohol,
    • Medikamente, besonders häufig durch nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR).

Sonderformen

  • lymphozytäre Gastritis: ausgelöst durch Medikamente wie Ticlopidin, assoziiert manchmal mit Sprue, selten bei Befall mit Helicobacter pylori.
  • kollagene Gastritis: unklare Ursache, Vorkommen manchmal zusammen mit kollagener Kolitis (siehe hier).

Histologie

Die histologische Beurteilung berücksichtigt

  • die Infiltration der Magenschleimhaut
  • das Vorkommen intestinaler Metaplasien und

Es wird der Schweregrad (Grad 0 – III) angegeben und beurteilt, ob eine spezifische oder unspezifische Form (auf eine Ursache hinweisend oder nicht) vorliegt.

Typen der Magenschleimhautentzündung 

Typ A

Bei diesem Typ findet man eine besonders dünne, durchscheinende (atrophische) Schleimhaut im oberen Teil des Magens (Fundus). Die Diagnose wird meist zufällig im Rahmen der Diagnostik einer besonderen Form der Blutarmut gestellt. Ist die Anämie makrozytär und hyperchrom, wie es beim Morbus Biermer der Fall ist, oder liegen neurologische Zeichen einer funikulären Myelose vor, so ist an eine Typ-A-Gastritis zu denken. Hin und wieder findet man auch eine Entzündung der Zunge assoziiert (Hunter´sche Glossitis: rote, etwas geschwollene Zunge ohne Belag).

Die Schleimhautatrophie im Fundus des Magens ist durch eine chronische Entzündung bedingt, die selbst mit dem Endoskop nicht erkannt werden kann und meist völlig ohne Symptome abläuft. Unterhalten wird sie durch Selbstangriff des eigenen Immunsystems auf die Schleimhaut. Der Untergang der Drüsenzellen der Magenschleimhaut hat jedoch Auswirkungen auf den Vitamin-B12-Spiegel des Bluts. Denn in genau diesem Bereich des Magens, dem oberen Corpus und Fundus, wird der für die Aufnahme von Vitamin B12 notwendige Intrinsic-Faktor gebildet (siehe hier). Bei der Typ-A-Gastritis kommt es zu einem Mangel an diesem Faktor und damit im Laufe der Zeit zu einem Vitamin-B12-Mangel.

Gleichzeitig wird in den oberen Magenanteilen Ghrelin gebildet, das ebenso wie der Intrinsic-Faktor vermindert gebildet wird. Ein Ghrelin-Mangel führt zu Appetitmangel und kann auf einen Mangel an Intrinsic-Faktor hinweisen 1)J Clin Endocrinol Metab. 2007 Nov;92(11):4346-51.

Mehr dazu siehe unter Perniziöse Anämie (Morbus Biermer) .

Typ B

Die Diagnose wird meist anlässlich einer Gastroskopie wegen uncharakteristischer Oberbauchbeschwerden gestellt. Der Beginn kann akut sein und heftige Beschwerden hervorrufen. Je nach Keim und Abwehrlage kann es zur Ausheilung kommen. Im Fall einer Helicobacter-Infektion mündet die Infektion meist in eine schleichende Entzündung, die im chronischen Teil des Verlaufs entweder völlig asymptomatisch ist oder nur diskrete unspezifische Beschwerden verursacht. Wird bei einer Gastroskopie aus anderer Ursache zufällig eine chronische Helicobacter-Gastritis festgestellt, erinnern sich die Betroffenen meist nicht an eine früher durchgemachte akute Bauchschmerzphase, die einer Erstinfektion zugeordnet werden könnte.

Mehr dazu siehe unter Helicobacter-Gastritis.

Typ C

Erosive Gastritis: oberflächliche Schleimhautdefekte durch Aspirin.

Die Beschwerden sind meist uncharakteristisch; gelegentlich wird über Übelkeit oder Völlegefühl geklagt, was auf eine Fehlregulation der Magendarmbewegungen (intestinale Dyskinesie) schließen lässt. Insbeondere wenn chronische Refluxbeschwerden oder gar galliges Aufstoßen vorliegen, muss an diese Diagnose gedacht werden.

Die Klärung der Typ-C-Gastritis erfolgt gastroskopisch über den Nachweis von Gallebeimischung zum Magensaft und histologisch. Findet sich das Bild einer erosiven Antrumgastritis, so sind häufig Medikamente die Ursache, so vor allem Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS (häufig die Ursache bei Herzpatienten), Fieber-, Rheuma- und Kopfschmerzmittel.

Gastritis und Magenkrebs

Zwischen Gastritis und Krebs im oberen Magendarmtrakt bestehen statistische Verbindungen:

  • Die Typ-A-Gastritis erhöht das Risiko für das Magenkarzinom im Fundus- und Cardia-Bereich.
  • Typ-B- und Typ-C-Gastritis erhöhen das Risiko für Magenkrebs in Corpus und Antrum.
  • Der Helicobacter-assoziierte Typ B senkt das Risiko für das Barrett-Karzinom des unteren Ösophagus.
  • Die systematische Therapie der Helicobacter-Infektion der Magenschleimhaut senkt die Inzidenz des Magenkarzinoms.

Diagnostik

Magenschleimhautentzündung mit einzelnen punktförmigen Blutungen. Galliger Beimischung zum Magensaft durch Rückfluss aus dem Zwölffingerdarm. Gastritis Typ C.

Die Diagnose einer Gastritis beruht auf der Magenspiegelung (Gastroskopie) mit Entnahme einer Gewebeprobe für die Histologie. Die Spiegelung alleine kann in leichten Fällen falsch positive wie auch falsch negative Ergebnisse ergeben. In ausgeprägten Fällen ist das makroskopische Bild bereits eindeutig. Da entzündete Areale dicht neben unauffälligen liegen können, sollte möglichst mehr als eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden.

Beurteilt wird endoskopisch nicht nur der makroskopische Befund der Schleimhaut, sondern auch der Magensaft, speziell hinsichtlich einer galligen Beimengung. Gallige Beimengungen stammen von Reflux aus dem Zwölffingerdarm (Duodenum) und sind Hinweis auf eine Bewegungsstörung (Dyskinesie). Subjektiv ist dies oft mit Missempfindungen im Oberbauch und Übelkeit verbunden.

Bei einer lang anhaltenden Reizung der Magenschleimhaut durch galliges Sekret kann sich die Schleimhaut umformen. Es kommt dann zu einer intestinalen Metaplasie im Antrum. Dies bedeutet, dass sich die Schleimhaut im unteren Teil des Magens (Antrum) in den Typ einer Dünndarmschleimhaut umformt. Werden solche Metaplasien gefunden, so kann man daraus auf einen chronischen Reflux aus dem Duodenum schließen.

Differenzialdiagnosen

Uncharakteristische Oberbauchbeschwerden, wie Druck in der Magengegend, Übelkeit und Völlegefühl, sind nicht alleine für eine Magenschleimhautentzündung typisch. Auch eine Reihe weiterer Erkrankungen kommen ursächlich in Betracht, beispielsweise auch folgende:

Therapie

Typ-A-Gastritis

Bei einer ausgeprägten Typ-A-Gastritis ist eine lebenslange Vitamin-B12-Substitution erforderlich. Die autoimmunologisch bedingte Gastritis selbst wird nicht behandelt; es gibt keine erfolgversprechenden Therapieoptionen.

Typ-B-Gastritis

Bei leichter Ausprägung der Entzündung ist keine spezielle Therapie erforderlich – außer der Vermeidung von schädigenden Substanzen. Bei Nachweis von Helicobacter pylori wird eine Eradikation empfohlen.

Typ-C-Gastritis

Entscheidend ist die Vermeidung schädigender Substanzen (so auch von Alkohol und Nikotin). Symptomatisch können Prokinetika helfen.

Wenn die C-Gastritis durch galligen Reflux aus dem Duodenum unterhalten wird, können zusätzlich Gallensäure-bindende Substanzen wie Cholestyramin und auch Antazida verwendet werden. Bei fehlendem Erfolg hilft oft eine Veränderung der Gallezusammensetzung durch Ursodesoxycholsäure (z. B. 1 – 2 x pro Tag 250 mg zunächst für 2-4 Wochen, je nach Erfolg länger).


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Verweise

Patienteninfos

 

Literatur   [ + ]

1. J Clin Endocrinol Metab. 2007 Nov;92(11):4346-51