EHEC-Infektion

EHEC ist das Akronym für Enterohämorrhagische Escherichia coli. Es sind pathogene Stämme des Coli-Bakteriums (Escherichia coli), die Ursache blutiger Durchfällen (Diarrhö) sein können. Der E.coli-Serotyp O157:H7 produziert Shiga-Toxin, das für die hämorrhagische Kolitis und das hämolytisch-urämische Syndrom verantwortlich ist [1]. Die Infektion mit EHEC kann blande verlaufen, aber auch zu einem schweren Krankheitsverlauf führen; die Therapie beinhaltet im Wesentlichen symptomatische Maßnahmen und die strikte Einhaltung von Hygienevorschriften.

Akuter Durchfall
Magenschmerzen

Geschichte


  • 1977 Erstbeschreibung von E. coli O157:H7, der auch bei späteren Ausbrüchen meist die Hauptrolle spielte.
  • 1982 erster Nachweis der EHEC als Auslöser einer hämorrhagischen Diarrhö in USA.
  • 1983 erster Nachweis eines hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) als Komplikation einer Infektion mit EHEC.
  • 1985 erster Nachweis in Deutschland, seither eher seltene sporadische Infektionen.
  • 1996 große Ausbrüche in Japan (um 10000 Fälle, 10 Tote) und Schottland (470 Fälle, 18 Tote).
  • 05/2011 größter Ausbruch seit Jahrzehnten, zuerst in Norddeutschland aufgetreten, Ausbreitung auch in benachbarten Ländern, wahrscheinlich von verunreinigten Sprossen von Bockshornklee ausgehend (zurückverfolgbar bis Zulieferer aus Ägypten); überwiegend Frauen betroffen, mehrere Todesfälle; Keim offenbar säurestabil und multiresistent; ungewöhnlicher E. coli Stamm O104:H4 (siehe EAEC-Infektion). Anfang Juli 2011 über 4040 Erkrankungsfälle gemeldet, davon über 840 HUS-Komplikationen (ca. 20%) und fast 50 Todesfälle (ca. 1,2% der Erkrankten bzw. ca. 6% der HUS-Komplikationen).

Epidemiologie


Aus den USA wurden große Statistiken veröffentlicht. Danach wurden 73000 Infektionen jährlich gezählt. Von 1882 bis 2002 kam es zu 350 Ausbrüchen mit 8598 Fällen, davon 17% Krankenhauseinweisungen, 4% Entwicklung eines hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) und 0,5% (40) Todesfällen [2].

Bedeutung

EHEC gehören zusammen mit Salmonellen und Campylobacter zu den häufigsten Erregern einer bakteriellen Enteritis (Darminfektion). Sie können (5-10%) ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS; Nierenschädigung + Blutzerfall), eine akute Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) und eine Enzephalopathie (Gehirnbeteiligung) auslösen. Die Diarrhö (Durchfall) durch EHEC ist eine häufige Reisekrankheit. Ausbrüche von EHEC-Infektionen stammen in der Regel von EHEC, die mit Nahrungsmitteln in die Nahrungskette gelangen. Auch andere Coli-Stämme, die Shiga-Toxin bilden, können eine hämorrhagische Kolitis und ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) verursachen.

Der bei EHEC-Ausbrüchen am häufigsten gefundene Serotyp von E. coli ist O157:H7; andere Serotypen, die bei schwer verlaufenden Infektionen gefunden werden sind z. B. O26:H11, O103:H2, O111:H8, O145:H28 und O104:H4 (siehe EAEC-Infektion). Die Virulenzfaktoren sind Shiga-ähnliche Toxine, die für die schweren Symptome, so auch für das hämolytisch urämische Syndrom (HUS, siehe unten) verantwortlich sind, und zudem Intimin, das zum Anhaften der Bakterien an die Zellen der Darmschleimhaut sorgt, und Enterohämolysin (Ehly) (auch als enterohämorrhagisches E. coli Haemolysin (EHEC-HlyA) bezeichnet). Die wichtigsten dieser pathogenetischen Faktoren scheinen die Shiga-Toxine zu sein.

Für die Virulenz des Bakteriums sind Oberflächenmoleküle verantwortlich, deren Zusammensetzung durch O- und H-Antigene (Antigene des Zellkörpers, ein Lipopolysaccharid, und der Geißeln, auch als Flagellin bezeichnet) beschrieben werden. Die Bakterienstämme können genetisches Material untereinander austauschen, so offenbar auch das, welches für die Bildung von Toxinen verantwortlich sind. Möglicherweise spielen auch Viren, die auf Bakterien spezialisiert sind (Bakteriophagen) dabei eine Rolle. Durch Übertragung von Bakterieneigenschaften können Ausbrüche durch unterschiedliche Bakterienstämme ausgelöst werden, so auch durch EAEC.

Bakterienstämme, die besonders stark an Zellen der Darmschleimhaut anheften und besonders viel Toxine freisetzen, sind auch besonders pathogen (krankheitserregend), so auch der für den „norddeutschen“ Coli-Stamm O104 H4 (Ausbruch 05-2011, s.o.). Sein Reservoir scheint bislang hauptsächlich der Mensch zu sein. Damit kommen für den Ausbruch der blutiger Durchfälle und von HUS ab Mai 2011 möglicherweise nicht nur durch Tierexkremente verseuchte landwirtschaftliche Produkte sondern vielleicht auch durch menschliche Ausscheidungen infizierte Nahrungsmittel, die in die Nahrungskette gekommen sind, in Betracht (siehe EAEC-Infektion).