Cholangitis

Cholangitis bedeutet Entzündung der Gallenwege. Sie kann bakteriell verursacht sein und akut hoch fiebrig und lebensbedrohlich verlaufen, sie kann aber auch ohne infektiösen Auslöser durch autoimmunologische Vorgänge entstehen und chronisch verlaufen. Die Therapie ist entsprechend unterschiedlich und setzt eine gute Diagnostik voraus.

Einteilung


Klinik


1. Eitrige Cholangitiden: Charcot-Trias

  • Fieber >38 Grad C, manchmal mit Schüttelfrost (65%),
  • Schmerzen am rechten Rippenbogen (Differentialdiagnosen: siehe unter Bauchschmerzen)

2. Nichteitrige Cholangitiden verursachen meist keine oder nur unspezifische Beschwerden (Mattigkeit) und werden erst spät durch Ikterus auffällig.

Diagnostik

Labor

Bei eitrigen Cholangitiden Leukozytose (ca. 15.000/mm3, aber auch stärker ausgeprägt), Bilirubin i.S. meist nur leichte (2-5 mg%), gelegentlich stark erhöht, alkalische Phosphatase und gamma-Glutamyltranspeptidase i.S. deutlich erhöht, GOT (ASAT) und GPT (ALAT) gering erhöht (oft ASAT > ALAT), Amylase i. S. normal (2/3 der Fälle) oder erhöht (1/3 der Fälle).

-> Mehr zu Laborparametern bei Cholestase

Mikrobiologie

Blutkultur, Kultur aus (bei ERCP) aspirierter Galle

Sonographie

Nachweis von Gallengangserweiterungen und/oder von betonten Uferreflexen der Portaltrakte in der Leber, evtl. Nachweis einer Cholelithiasis oder einer Aerobilie als möglicher Ursache oder als Begleitbefund einer eitrigen Cholangitis. Nachweis einer möglichen begleitenden Cholezystitis. Nachweis einer begleitenden Pankreatitis.

-> Mehr zur Sonographie.

ERCP

Diagnostik und ggf. endoskopische Therapie von Galleabflussstörungen, die der Cholangitis zugrunde liegen.

-> Mehr zum ERCP.

Indikationen:

  • zur Sicherung des Galleflusses (z. B. durch Papillotomie und Steinextraktion oder Überbrückung einer Stenose in den Gallenwegen mit einem Stent) wenn die Gallenwege im Sonogramm oder CT erweitert sind
  • zur Erweiterung von Strikturen bei bekannter PSC
  • zum Nachweis der Ursache für eine Keimaszension aus dem Darm (Z. n. Papillotomie, Z. n. Choledochojejunostomie, Z. n. Steinpenetration aus den Gallenwegen in den Darm).

Computertomographie (CT)

Indikationen:

  • zur Diagnostik der Ursache (Gallestauung? Lokalisation des Galleverschlusses? Tumor?)
  • bei unklarer Ätiologie

-> Mehr zur Computertomographie (CT) der Leber.

Diagnosealgorithmus

Die Diagnose einer eitrige Cholangitis wird in erster Linie durch klinische Befunde (Charcot-Trias) verdächtigt. Laborparameter unterstützen die Diagnose; ein Erregernachweis sollte versucht werden, ist aber nicht immer möglich. Sonographie und ERCP dienen zur Klärung der Ätiologie. Beginnt eine Cholangitis mit einer Gallenkolik, müssen Gallensteine gesucht und ggf. aus den Gallenwegen entfernt werden.

Bei nichteitrigen Cholangitiden kann eine Leberpunktion die Diagnose eingrenzen; eine Klärung kommt oft nur durch serologische Untersuchungen zustande (AMA, ANCA, ANA).

Differentialdiagnosen der aktuen Cholangitis

  • Murphy-Zeichen, ausgeprägtere, stärker lokalisierte Oberbauchschmerzen, sonographisch meist verdickte Gallenblasenwand
  • rekurrierende pyogene Cholangiopathie (orientalische Cholangiohepatitis)
  • AIDS-bedingte Cholangiopathie

Komplikationen

intrahepatischer Abszess (Mikroabszesse sind oft sonographisch nicht nachzuweisen), Sepsis, akutes Nierenversagen

Sonderformen

Verweise