Alagille Syndrom

Das Alagille-Syndrom wird ursprünglich beschrieben als „arteriohepatische Dysplasie“[1]. Es gehört zu den Neugeborenencholestasen und ist eine Missbildung der Gallenwege mit ausgeprägtem Ikterus und Juckreiz. Ursache ist eine Gallengangsatresie. Meist bestehen gleichzeitig weitere Bildungsstörungen wie eine Pulmonalarterienstenose, Herzfehler, Nierendysplasie und Fehlbildungen der Wirbelsäule („Schmetterlingswirbel“).

Ätiologie

Die genetische Ursache ist bekannt. Sie liegt in einem Defekt im „Notch-Signalweg“, meist einer Mutation in JAG1 (ALGS type 1) [2].

Diagnostik

Es besteht bei Geburt bereits eine ausgeprägte Cholestase mit Erhöhung des direkten Bilirubins. Wegen einer häufig auffälligen Gesichtsform wird bald daran gedacht, dass eine Fehlbildungssyndrom vorliegen kann. Hält die Cholestase über 2 Wochen an, so ist sie spätestens dann verdächtig auf eine cholestatische Krankheit, die weiter abgeklärt werden muss. Das Alagille-Syndrom ist eine der Differenzialdiagnosen. Weitere Differenzialdiagnosen sind beispielsweise Alpha1-Antitrypsinmangel, Toxoplasmose, Röteln, Virushepatitis (CMV, Herpesvirus, HBV, HCV).

Die Diagnose gerät durch eine fehlende Darstellung der Gallenwege (z. B. durch MRCP) in den Vordergrund. Beweisend ist sie jedoch nicht immer. Daher wird oft eine Leberbiopsie erforderlich. In der Histologie erkennt man dann bereits Gallengangswucherungen und von den Portalfeldern ausgehend Fibrosierungen der Leber.

Inzwischen kann das Alagille-Syndrom durch genetische Analyse gesichert werden.

Zur Diagnostik gehört eine Abklärung weiterer Fehlbildungen, die zum Alagille-Syndrom gehören; es ist z. B. an Herzfehler und Nierendysplasie mit Einschränkung der Nierenfunktion [3] zu denken.

Prognose

Eine anhaltende Cholestase führt über eine Leberfibrose relativ rasch zur Leberzirrhose mit portaler Hypertonie und entsprechenden Komplikationen.

Therapie

Die Kasai-Operation innerhalb der ersten Lebenswochen versucht durch Anastomosierung der zentralen Gallengänge mit dem Dünndarm eine suffiziente Ableitung der Galle (Portoenterostomie) zu etablieren. Postoperativ besteht ein hohes Risiko für aufsteigende Gallenwegsinfektionen; häufig kommt es zu einer Wachstumsverzögerung.

Den besten Erfolg bei guten Vorbedingungen verspricht eine Lebertransplantation. Bei der Abschätzung des Operationsrisikos sind die oft zusätzlichen Anomalien am Herzen und den Nieren mit zu berücksichtigen. Es wird darauf hingewiesen, dass die Langzeitauswirkungen einer dauerhaften Immunsuppression auf die kindliche Entwicklung nicht ausreichend bekannt sind. [4].

Wegen Gallemangel im Darm kommt es zu einer mangelhaften Fettverdauung und Aufnahme fettlöslicher Vitamine, was durch eine Substitutionstherapie überbrückt werden muss.

Verweise

Literatur

  1. ? J Pediatr. 1987 Feb;110(2):195-200
  2. ? Eur J Hum Genet. 2012 Mar;20(3):251-7
  3. ? Am J Med Genet A. 2011 Nov 21. doi: 10.1002/ajmg.a.34369
  4. ? J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2010 Jan;50(1):11-5